Gewaltfreie Kommunikation Eine Sprache des Lebens

Autor: Marshall B. Rosenberg

Verfasserin der Kurzbeschreibung: Heidi Gruber

 

Über den Autor:

Dr. Marshall B. Rosenberg ist international bekannt als Konfliktmediator und Gründer des internationalen Center for Nonviolent Communication in den USA. Die von ihm entwickelte Methode der Gewaltfreien Kommunikation hat sich als machtvolles Werkzeug herausgestellt, um Differenzen auf persönlichem, beruflichem und politischem Gebiet friedlich zu lösen. In den letzten dreißig Jahren hat Dr. Rosenberg die Gewaltfreie Kommunikation in mehr als zwei Dutzend Ländern an Ausbilder, Schüler, Studenten, Eltern, Manager, medizinisches und psychologisches Fachpersonal, Militärs, Friedensaktivisten, Anwälte, Gefangene, Polizisten und Geistliche weitergegeben.

Derzeit lebt Dr. Rosenberg in Wasserfallen in der Schweiz. Er lehrt in Europa und den USA, reist regelmäßig in die Krisengebiete in Afrika, Osteuropa und den Mittleren Osten, wo er Ausbildungen und Konfliktmediationen anbietet.
Marshall B. Rosenberg glaubt, dass die Freude am einfühlsamen Geben und Nehmen unserem natürlichen Wesen entspricht. Deshalb beschäftigt er sich mit 2 wesentlichen Fragen seit seiner Kindheit:

Was geschieht genau, wenn wir die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur verlieren und uns schließlich gewalttätig und ausbeuterisch verhalten?

Und umgekehrt, was macht es manchen Menschen möglich, selbst unter den schwierigsten Bedingungen mit ihrem einfühlsamen Wesen in Kontakt zu bleiben?

Als er sich die Umstände näher betrachtete, die unsere Fähigkeit beeinflussen, einfühlsam zu bleiben, bemerkte er erst, welch entscheidende Rolle die Sprache und dessen Gebrauch von Wörtern hat! Seither hat er einen spezifischen Zugang zur Kommunikation entdeckt — zum Sprechen und Zuhören -, der uns dazu führt, von Herzen zu geben, indem wir mit uns selbst und mit anderen auf eine Weise in Kontakt kommen, die unser natürliches Einfühlungsvermögen zum Ausdruck bringt.

Wir betrachten unsere Art zu sprechen vielleicht nicht als „gewalttätig“, dennoch führen unsere Worte oft zu Verletzung und Leid — bei uns selbst oder bei anderen.

Die Gewaltfreie Kommunikation soll uns bei der Umgestaltung unseres sprachlichen Ausdrucks helfen und unserer Art zuzuhören. Aus Automatismus soll Bewusstheit werden — bewusst Antworten zu geben die für das stehen, was wir wahrnehmen, fühlen und brauchen.

Unabhängig vom Thema eines Gespräches soll es uns immer besser gelingen, unsere eigenen; zugrundeliegenden Bedürfnisse wie auch denen unserer Gesprächspartner auf die Spur zu kommen.

Ein Lernziel ist es, in einer bestimmten Situation zu erkennen, was wir konkret brauchen, und es klar formulieren und ansprechen.

Dadurch, dass die GFK die Betonung auf intensives Zuhören nach innen und nach außen legt, fördert sie Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Einfühlung und erzeugt auf beiden Seiten den Wunsch, von Herzen zu geben. Auf einer tieferen Ebene ist sie eine ständige Mahnung, unsere Aufmerksamkeit in eine Richtung zu lenken, in der die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir das bekommen, wonach wir suchen.

Der Prozess der Gewaltfreien Kommunikation (GFK)

Die ersten Kapitel des Buches sind so aufgebaut, dass jeder lernt auf die vier Komponenten der GFK zu hören und sich selbst darauf sensibilisiert, diese Bewusst anzuwenden.

Das Licht des Bewusstseins wird auf diese 4 Bereiche gerichtet:

1.     Beobachtung – Konkrete Handlungen, die wir beobachten können und die unser Wohlbefinden beeinträchtigen;

2.     Gefühle – Wie wir uns fühlen, in Verbindung mit dem, was wir beobachten;

3.     Bedürfnisse – Unsere Bedürfnisse, Werte, Wünsche usw., aus denen diese Gefühle entstehen;

4.     Bitten – Die konkrete Handlung, um die wir bitten möchten, damit unser aller Leben reicher wird.

Während wir unser Augenmerk auf diese vier Komponenten richten und anderen dabei helfen, (unbewusst) das gleiche zu tun, bauen wir einen Kommunikationsfluss auf, der sich hin und her bewegt:

Was ich beobachte, fühle und brauche; um was ich bitte, um mein Leben zu verschönern; was du beobachtest, fühlst und brauchst; worum du bittest, um dein Leben zu verschönern…

Im zweiten Drittel des Buches wird anschaulich gemacht, wie wir auf die einzelnen Komponenten hören und sie verbal ausdrücken können. Rosenberg betont auch, dass die GFK nicht auf einer feststehenden Formel beruht, sondern sich unterschiedlichen Situationen ebenso anpasst wie persönlichen und kulturellen Gegebenheiten.

Die Macht der Empathie

„Je mehr wir uns in die andere Person einfühlen, desto sicherer fühlen wir uns selbst“.

Die Fähigkeit, Empathie zu geben, ermöglicht es uns, verletzlich zu bleiben, potentielle Gewalt zu entschärfen, das Wort „nein“ zu hören, ohne es als Zurückweisung zu verstehen, ein totgelaufenes Gespräch wiederzubeleben und sogar Gefühle und Bedürfnisse zu hören, die schweigend ausgedrückt werden. Immer wieder wachsen Menschen aus den lähmenden Folgen seelischer Schmerzen heraus, wenn sie genug Kontakt mit jemandem haben, der ihnen empathisch zuhören kann!

Die bedeutendste Anwendung der GFK liegt vermutlich in der Art und Weise, wie wir mit uns selbst umgehen. Wenn wir Fehler machen, können wir mit Hilfe des GFK-Trauerprozesses und mit der Selbst-Vergebung erkennen, wo unsere Wachstumschancen liegen, anstatt uns in moralische Selbstabwertungen zu verstricken. Bewerten wir unser Verhalten in Bezug auf unsere unerfüllten Bedürfnisse, dann kommt der Veränderungsimpuls nicht aus Scham, Schuld, Ärger oder Depression, sondern aus einem aufrichtigen Wunsch, zum eigenen Wohlergehen und zu dem anderer Menschen beizutragen.

Wir kultivieren Selbst-Einfühlung auch dadurch, dass wir uns im täglichen Leben bewusst dafür entscheiden, nur im Dienst unserer Bedürfnisse und Werte zu handeln und nicht aus Pflicht, für Belohnungen von außen oder um

Schuld, Scham und Bestrafung zu vermeiden. Wenn wir einmal die freudlosen Handlungen anschauen, denen wir uns aktuell verschrieben haben, und „ich muss…“ in „ich wähle frei…“ übersetzen, dann werden wir mehr spielerische Freude und Integrität in unserem Leben entdecken.

Uns selbst befreien und andere unterstützen

Die GFK unterstützt die innere Kommunikation, indem sie uns hilft, negative innere Botschaften in Gefühle und Bedürfnisse zu entdecken und ihnen Empathie entgegenzubringen.

Indem die GFK uns zeigt, wie wir uns auf das konzentrieren können, was wir wirklich wollen, statt auf das, was mit uns selbst oder anderen nicht stimmt, gibt sie uns das Werkzeug und das Verständnis an die Hand, um einen friedvolleren inneren Zustand zu kreieren.

Wertschätzung und Anerkennung ausdrücken in Gewaltfreier Kommunikation Konventionelle Komplimente haben oft die Form eines Urteils, auch wenn es positiv ist, und werden manchmal ausgesprochen, um das Verhalten anderer zu manipulieren. Die GFK unterstützt das Ausdrücken von Anerkennung, aber nur dann, wenn sie dem Feiern dient.

Wir benennen

1.  Die Handlung, die zu unserem Wohlbefinden beigetragen hat,

2.  Unser spezielles Bedürfnis, das zufriedengestellt wurde, und

3.  Unser freudiges Gefühl als Ergebnis davon.

Wenn Anerkennung uns gegenüber so ausgedrückt wird, dann können wir sie ohne Selbstüberschätzung oder falsche Bescheidenheit annehmen und gemeinsam mit demjenigen, der sie uns gibt, feiern.

„Je mehr Sie zum Kenner der Dankbarkeit werden, desto weniger sind sie Opfer von Ärger, Depression und Verzweiflung.

Dankbarkeit wird zu einem Elixier, das die harte Schale unseres Egos — unseren Wunsch zu besitzen und zu kontrollieren — langsam auflöst und Sie zu einem großzügigen Wesen werden lässt.

Der Sinn für Dankbarkeit bringt echte spirituelle Alchemie hervor, öffnet unser Herz — und macht unsere Seele weit.“ Sam Keen

Persönliche Reflexion

Ich finde den Grundgedanken und das, was Rosenberg erreichen will eine sehr gute Idee und Basis für jedes Gespräch.

Leider hatte ich das Gefühl nach dem ich das Buch gelesen hatte, das es sehr viel Zeit kostet das auch zu leben wie er das vorgibt.

Ich denke das Buch selber kann man als Einstieg in die Thematik verwenden. Aber um es zu Leben, das auch immerwährend zu können und es im täglichen Leben umzusetzen, braucht es viel Übung und vielleicht sogar einige Workshops um es wirklich richtig anzuwenden.

Warum habe ich dieses Buch gewählt?

Ich begann das Buch zu lesen mit den Gedanken: es ist sicher für mich von Vorteil, mir Hintergrundwissen anzueignen, um achtsamer mit anderen Menschen zu sprechen, und im Umgang mit Klienten kann es auch hilfreich sein. Vielleicht lässt sich ja das eine oder andere leicht und gut in meinen alltäglichen Sprachgebrauch integrieren.