Muster im Kopf – Warum wir denken, was wir denken

Autor: Friedhelm Schwarz

Verfasserin: Claudia Contu

 

Der Autor Friedhelm Schwarz ist 1951 in Hamburg geboren und ist schon seit über 20 Jahren als Schnittstelle zwischen Sozialwissenschaften und Wirtschaft zu sehen. Das Buch „Muster im Kopf – Warum wir denken, was wir denken“  ist 2006 erschienen und soll einen Überblick über sogenannte Denkmuster geben und wie wir damit leben oder aber sie auflösen können.

Das Buch ist nicht als fachwissenschaftlich anzuerkennen, sondern lebt eher von einer interdisziplinären Perspektive.

Schwarz gibt sich zunächst der Beschreibung von Persönlichkeiten und deren Zusammensetzungen hin.

Jeder Mensch wird von klein auf von seinen Erfahrungen, seiner Erziehung, seinem Umfeld, seiner Kultur, seinen Mitmenschen geprägt. Durch Beobachtungen, Nachahmung der Vorbilder, vorgelebten Handlungsweisen und Konsequenzen bestimmter Verhaltensweisen entwickeln sich Denkmuster nach denen wir Menschen unser Leben führen sowie unsere Einstellungen und unser Verhalten bestimmt werden. Diesen Mustern haben wir es zu verdanken, dass wir in bestimmten Situationen eventuell automatisch und immer gleich handeln. Dies gibt uns Sicherheit und lässt Raum unseren Fokus vielleicht mehr auf andere Situationen zu lenken. Es sind diese Muster, die unser Selbst, unsere Persönlichkeit, beeinflussen. Uns zu uns selbst machen. Denn jeder Mensch ist anders und denkt demnach auch anders. Solche Muster können aber auch verschulden, dass wir unfrei jeglicher Unvoreingenommenheit über eine Situation oder deren Folge entscheiden können. Vor allem erschweren solche Muster unser Leben, wenn sie zu für uns scheinbar unüberwindbaren Hürden werden, eben zu Ballasten werden, die uns im Wege stehen. Um dem entgegenzuwirken, müssen wir zunächst dahingehend arbeiten, diese Muster zu verstehen, demnach uns selbst zu verstehen und im zweiten Moment, wenn nötig, zu verändern.

Schwarz hat sich mit solchen Mustern auseinandergesetzt und versucht im oben genannten Buch die Entstehung, die Bedeutung und die Auflösung dieser zu erläutern.

Er gibt an, dass der Mensch im „Raster der Psychologie“ aus ganz bestimmten Eigenschaften besteht, die entweder mehr oder weniger vorhanden sind. Demnach ergibt sich die Persönlichkeit des Menschen. Folgende Eigenschaften zählt er auf: Wärme (auf andere Menschen zugehen können oder weniger), Emotionale Stabilität (eventuelle Stimmungsschwankungen), Dominanz (sich nicht allzu viel gefallen lassen), Lebhaftigkeit (Aktivität), Regelbewusstsein (sich an Regeln und Manieren halten), Soziale Kompetenz (kontaktfreudig und selbstsicher sein), Empfindsamkeit (Schönheit eines Gedichts mehr wertschätzen als Strategien), Impressions-Management (verärgert sein, wenn der eigene Wille nicht durchgesetzt werden kann) Wachsamkeit (zu viel von sich erzählen, sodass andere dies zu ihren Vorteil nutzen), Abgehobenheit (in den Tag hinein träumen), Privatheit (zurückhaltend sein), Besorgtheit (zu empfindsam sein, sich zu viele Sorgen machen), Offenheit für Veränderung (Veränderungen und Ideen schätzen), Selbstgenügsamkeit (gut für sich alleine sein können), Perfektionismus (alles in bester Ordnung halten) und Anspannung (ungeduldig werden, wenn etwas nicht nach Wunsch geht).

Der Charakter eines Menschen soll außerdem auch aus verschiedenen Lebensmotiven heraus gebildet werden. Schwarz benennt hier zwölf verschiedene solcher Lebensmotive wie Macht, Unabhängigkeit, Neugier, Anerkennung, Ordnung, Sparen, Ehre, Idealismus, Beziehungen, Familie, Status, Rache, Romantik, Ernährung, Körperliche Aktivität, Ruhe.

Zudem will Schwarz noch die Persönlichkeit in weitere Klassifikationen kategorisieren und erwähnt als Beispiel das Big-Five-Modell. Dieses unterteilt die sozialen Eigenschaften eines Menschen in fünf Bereiche. Dieses Modell impliziert den Neurotizismus. Je niedriger er ist, desto zufriedener und selbstsicherer sei der Mensch. Je neurotischer eine Person hingegen ist, desto höher und unrealistischer werden ihre Ziele und desto schlechter können sie dabei mit Schwierigkeiten umgehen.  Extraversion hingegen beschreibt die Geselligkeit einer Person. Verträglichkeit signalisiert die Eigenschaft eines Menschen gut oder weniger gut mit seinen Mitmenschen umgehen zu gehen. Gewissenhaftigkeit und Offenheit für neue Erfahrungen runden das Big Five Modell ab.

Bereits bei der Erscheinung dieses Buches im Jahre 2006 kam es immer mehr zu einer Schnelllebigkeit, was sich nun, zehn Jahre später, gar noch intensiver darstellt. Man müsse sich dieser Lebensweise anpassen können, was Denkmuster allerdings nicht immer zulassen würden, da diese noch zu sehr in Erinnerungen und der Vergangenheit sitzen, meint Schwarz dazu. Im ersten Teil des Buches geht es um verschiedene Grundlagen des Denkens. Schwarz erklärt wie wir die Welt sehen, warum unser Denken unser Leben prägt, in welchen Lebensjahren unsere Muster am prägendsten sind und inwiefern Intelligenz und Talente eine Rolle spielen. Im zweiten Teil des Buches geht es um die Schwierigkeiten, die durch solche Denkmuster entstehen können. Ängste, Erwartungen, Vorurteile, Wahrnehmungen, Entscheidungen werden genannt, die Muster entstehen lassen. Eben diese Muster müsse man erkennen und verändern, damit sich daraufhin unser Verhalten ändern kann. Ebenso der dritte Teil beschäftigt sich mit diesem Thema.  Es wird näher darauf eingegangen, wie ein neues Denken entwickelt werden kann. Zwischen den Teilen wird jeweils eine Zusammenfassung eingefügt, die einen guten Überblick und ein näheres Verständnis zum Ergebnis haben.

Im Laufe des Buches werden Beispiele genannt, die gut vermitteln, wie unterschiedlich Menschen den ein und denselben Satz wahrnehmen und interpretieren können, eben geprägt von eigenen Erfahrungen und die Erinnerungen daran. So kann der Satz „Es ist keine Milch mehr da“ für manch einen Mensch nur die Tatsache beschreiben, dass in diesem Moment keine Milch gegenwärtig ist, keine weitere Bedeutung wird diesem Satz zugeschrieben. Bei einem anderen Menschen hingegen könnte der Satz an ein tragisches Erlebnis erinnern, wie ein Erlebnis im Krieg, einer Fluchtsituation, einer Hungersnot.

Genau solche Erfahrungen prägen unseren Charakter. Zeiten wie der Nationalsozialismus oder besondere Wirtschaftslagen hätten tiefe Spuren hinterlassen. Solch tief verankerte Denkmuster seien nicht leicht zu korrigieren. Somit seien Menschen auch oftmals nicht bereit, ihre Denkmuster bewusst werden zu lassen um sie dann zu korrigieren. Auch bei einzelnen Schicksalsschlägen, fokussiere sich der Mensch aus Ängsten heraus oder aber einer Gewohnheit eher auf das Problem und resigniere, anstatt sein Muster zu korrigieren.

Friedhelm Schwarz liefert dem Leser in seinem Buch Erklärungen dafür, wie Muster in unserem Kopf unser Denken beeinflussen, die Entstehung, die Gründe.
Leider geht Schwarz auf mögliche Auflösungen nicht näher ein. Damit bleiben diese Thesen stehen ohne Möglichkeiten aktiv dagegen anzugehen.
Schwarz verallgemeinert sehr und geht wenig auf individuelle Momentaufnahmen ein, die das Individuum des Menschen ebenso beeinflussen.

Ich hatte dieses Buch gewählt um in meinem Projekt typische Denkmuster klar darstellen zu können, sie abstrakt aber zugleich eindeutig beschreiben zu können. Mein Projekt will in einer Geschichte die Hauptfigur beschreiben, belastet von Unmengen an Alltagsschwierigkeiten, aber auch zahlreichen Ballasten verpackt in ihrem Lebensrucksack,  in einer unglaublichen Schwere und geprägt von tief verankerten Mustern. Zudem sollte mir dieses Buch dazu verhelfen, verinnerlichte Denkmuster zu erkennen und diese anhand meiner Hauptfigur bestens zu vermitteln. In einem letzten Moment sollte dieses Buch mir aufzeigen, wie genau man diese Muster auflöst und das eigene Denken verändert um endlich wieder frei über sein Leben zu verfügen und entscheiden zu können. Leider gibt Schwarz nur ansatzweise Erklärungen darüber, was der Zweck des Erkennens solcher Muster sei. Somit hat dieses Werk einen guten Überblick verschaffen können, allerdings ohne tiefere Zwecke zu erfüllen.