Selbstverletzendes Verhalten

Autor: Ulrich Sachsse

VerfasserIn: EinE LSB-AbsolventIn

 

Dieses Buch habe ich deshalb gewählt, weil mich folgender Text angesprochen hat:

Hieraus …

Prof. Sachsse:

Dabei ist nichts davon, was ich mir überlegt habe, neu.

Es erscheint mir uralt.

Im chinesischen I Ging* steht im 43. Zeichen „der Durchbruch, die Entschlossenheit“ folgender Kommentar zum „Urteil“:

Für den entschlossenen Kampf des Guten zur Beseitigung des Bösen gibt es aber bestimmte Regeln, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen, wenn man Erfolg haben will.

1.Entschlossenheit muss auf einer Vereinigung von Stärke und Freundlichkeit beruhen.

2.Ein Kompromiss mit dem Schlechten ist nicht möglich; es muss unter allen Umständen offen diskreditiert werden.

Ebenso dürfen auch die eigenen Leidenschaften und Fehler nicht beschönigt werden.

*I Ging: Chinesische Sprüchesammlung – Teile davon gehen bis auf das 3. Jahrtausend vor Christus zurück

3.Der Kampf darf nicht direkt durch Gewalt geführt werden.

Wo das Böse gebrandmarkt ist, da sinnt es auf Waffen, und wenn man ihm den Gefallen tut, es Schlag gegen Schlag zu bekämpfen, so zieht man den Kürzeren, weil man dadurch selbst in Hass und Leidenschaft verwickelt wird.

Darum gilt es im eigenen Haus anzufangen:

Persönlich auf der Hut zu sein vor den gebrandmarkten Fehlern.

Dadurch stumpfen sich die Waffen des Bösen von selbst ab, wenn sie keinen Gegner finden.

Ebenso dürfen auch eigene Fehler nicht direkt bekämpft werden. Solange man sich mit ihnen herumschlägt, bleiben sie immer siegreich.

4.Die beste Art, das Böse zu bekämpfen, ist energischer Fortschritt im Guten.

Dieser Ausschnitt hat mich dazu bewogen, das Buch „Selbstverletzenden Verhalten“ zu lesen. Prof. Dr. Ulrich Sachsse schreibt über seine Erfahrungen als Arzt.

Sachsse schreibt, dass er sein diagnostisches Verständnis und sein therapeutisches Vorgehen im Wesentlichen von seinen Patientinnen gelernt hat. Es gefällt mir, dass Sachsse in seinem Buch genau beschreibt, was er wann und warum tut. Er agiert nicht aus der Rolle des „Gottes in Weiss“, der alles weiß sondern als Mensch, der lernt. Weil er seine Gegenübertragung (in seiner verträglichen Offenheit) transparent macht und weil er die Behandlungen nicht als idealtypisch-perfekten Ablauf sondern als lebendigen Prozess mit Fehlern, Pannen, Unzulänglichkeiten und Versäumnissen darstellt.

Weiters ist er immer bemüht, seine Sichtweisen zu überprüfen und – wenn notwendig – zu korrigieren, auch im Austausch mit anderen.

Wenn Sachsse zB. über eine Notaufnahme berichtet, die zuvor telefonisch in einem grimmigen, boshaften Unterton angekündigt wurde, schreibt er auch, dass er sich bereits über die Patientin ärgert, bevor er sie überhaupt gesehen hat. Auch als er ihr dann alles einzeln aus der Nase ziehen muss, verschweigt er nicht, dass er seine sich regende Ungeduld unterdrückt und auf professionelle Geduld umschaltet.

Zu meinem Thema „Mein Leben meistern, was unterstützt mich dabei?“ hat mir das Buch insofern geholfen, als dass ein Projekt entstehen darf und nicht perfekt sein muss. Unterstützung erfahre ich in mir und im Außen. Bei der Übung nach innen zu schauen, was ist mir gegeben, wird der Fokus auf meine Gaben gerichtet. Es gilt, hinzuschauen, klar zu sein. Wir haben Seiten, die wir an uns lieben und solche, die wir am liebsten weg haben wollen. Sachsse hilft seinen Patientinnen in teilweise unendlich langen Prozessen sich auf die Suche zu machen, da die liebenswerten Seiten oft tief verschüttet sind.

Sachsse geht authentisch vor – verschweigt auch seine innere Stimmung nicht und zeigt dadurch, dass etwas entsteht … ich würde schon Stärke sagen. Und gleichzeitig in Verbindung mit Freundlichkeit, sodass sein Gegenüber spürt: Er ist mir gut.

Das heißt für mich, dass, wenn ich die Wahrheit ausdrücke, sie sich zeigen darf – ans Licht kommt – dass dann Veränderung geschehen kann. Wichtig ist dabei, dass die Wahrheit freundlich ausgesprochen wird.

Und auch die Wahrheit zu mir selbst/über mich selbst – wenn ich mir Zeit nehme für mich selbst – mein Leben durch das Licht der Wahrheit betrachte – kann Transformation geschehen. Da braucht nichts beschönigt zu werden und es ist jedenfalls Mut erforderlich. Was sind die Beweggründe meines Handelns?

Für mich sind das wesentliche Aspekte im Leben. Und es ist mir ein Bedürfnis, das auch in meinen Workshops zu vermitteln ….

Es braucht eine Achtsamkeit. Und eine Verbindung zum Gegenüber. Wo man dann herausfiltern kann. Was ist gerade passiert? Und dann eben nicht in den Kampf gehen sondern zu erkennen!

Im Leben geht es darum zu lernen. Stecken wir in einer Krise sollen wir uns fragen, was lerne ich daraus? Dies erschließt sich uns nicht sofort. Dafür braucht es Qualitäten wie Geduld und Vertrauen, Offenheit. Sich führen lassen. Wovon? Von seinem Herzen zum Beispiel.

Ich bin überzeugt, dass wir alles in uns haben, dass wir zur Bewältigung von Krisen brauchen und auch, dass wir im Außen unterstützt sind. Es braucht unsere Bitte.

Für mein Thema helfen mir in Sachsses Buch sehr seine Geduld, seine Weisheit, auch sein Mut, generell Entscheidungen zu treffen.

Und sein fester Wille zum Guten.