Validation – Ein Weg zum verständnis verwirrter alter Menschen

Autorinnen: Naomi Feil und Vicki de Klerk-Rubin

Verfasserin der Kurzbeschreibung: Désirée Wahl

 

 

Über die Autorin

Naomi Feil wurde 1932 in München geboren. 1936 floh sie zusammen mit ihren jüdischen Eltern vor den Nazis nach Amerika. Sie wuchs im Montefiore-Altersheim in Cleveland, Ohio auf, ihr Vater war Psychologe und Leiter des Heimes, ihre Mutter arbeitete dort als Sozialarbeiterin.

Naomi Feil wollte eigentlich Schauspielerin werden.

Nach eigenen Jahren als Off-Broadway-Darstellerin absolvierte sie eine Ausbildung zur

Sozialarbeiterin, schloss das Psychologie-Studium an der Columbia Universität in New York ab.

Da sie in München aufwuchs und sie Schauspielerin werden wollte wird verständlich, warum sie eine begehrte Vortragende im deutschsprachigen Raum ist, die es versteht, andere von ihrem Konzept der einfühlenden Kommunikation mit sehr alten verwirrten Menschen zu begeistern.

Vicki de Klerk-Rubin ist die Tochter von Naomi Feil, Validationstherapeutin und Managerin des Validation Training Institute. Sie arbeitete als Autorin dieses Buches mit.

Der Beginn der Validation von Naomi Feil.

Sie beschäftigte sich 7 Jahre lang mit gesunden, orientierten älteren Menschen in verschiedenen Gemeinschaftszentren, danach begann sie im Montefiore Altersheim mit desorientierten, sehr alten Menschen zu arbeiten.

Naomi Feil sah ihre Aufgabe anfangs, diesen desorientierten Menschen zu helfen, der Realität ins Auge zu sehen und ihnen im Rahmen einer Gruppe Kontaktmöglichkeiten schaffen.

Nach 3 Jahren gab sie das Ziel der Orientierung auf die Realität auf, da die Gruppenmitglieder zunehmend feindselig wurden oder sich immer dann zurückzogen, wenn sie mit der unerträglichen Realität der Gegenwart konfrontiert wurden.

Zwischen 1963 und 1980 entwickelte Naomi Feil eine ganz neue Methode der Kommunikation.

Sie lernte die Methode der Validation von den Menschen, mit denen sie arbeitete.

Sie lernte, es als Weisheit zu sehen, wenn alte Menschen durch die Rückkehr in die Vergangenheit zu überleben versuchen.

Mein Eindruck vom Buch

Ich finde dieses Buch hoch interessant, denn es vermittelt nicht nur das Verständnis, wie wende ich Validation richtig an, denn das war eigentlich meine Hauptmotivation dieses Buch zu kaufen und zu lesen, sondern auch, wie kann ich mich auf mein eigenes Alt werden vorbereiten und genau diese Thematik hat mich so richtig gefesselt und fasziniert.

Im Zuge der Ausbildung hatten wir einen Einführungstag in Validation und mein Interesse wurde geweckt. Auch wenn mir das Thema der Validation erst durch das Lesen dieses Buches verständlich wurde.

Ich finde die Kapitel sind gut aufgeteilt und jede Erklärung wird durch überaus verständliche Beispiele ergänzt.

Bei einigen Kapiteln hatte ich ein richtiges Aha-Erlebnis: ich hatte nicht gewusst, dass es die Aufgabe des Aufarbeitens im hohen Alter gibt und für mich ist es genau das, worum es eigentlich geht um Validation verstehen zu können.

Aufarbeiten alter, unbewältigter Konflikte

Naomi Feil hat immer wieder beobachtet, dass einschneidende Erlebnisse, welche in früheren Jahren nicht verarbeitet werden konnten, in der Demenz noch einmal durchlebt werden.

Mit Hilfe der Validation bekommt der alte Mensch jetzt noch die Möglichkeit, Schmerz, Trauer, Angst, Panik, Scham und andere, seinerzeit verdrängte Gefühle endlich zu zeigen, und Ordnung in das Seelenleben zu bringen, um dann in Frieden sterben zu können.

Hintergründe der Validation

Ich möchte bei dieser Arbeit den Fokus auf die Hintergründe der Validation richten. Darum werde ich dem ersten Kapitel mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen.

Das Erste Kapitel bearbeitet das Thema „Was ist Validation?“

Es beleuchtet die einzelnén Lebensstadien von Erik Erikson und dessen Aufgaben und dass seine Theorien eine bedeutende Grundlage in der Validation darstellen.

Um ein Gespür für diese Theorie zu entwickeln, hilft es mir persönlich besser, wenn sie mit gut nachvollziehbaren Beispielen erklärt wird. Was in diesem Buch der Fall ist.

Verständnis über die Wichtigkeit der Anerkennung seiner Gefühle

Zuerst war es die Theorie vom Erik Erikson, welche mir näherbrachte wie wichtig es ist sich seinen Lebensaufgaben in der jeweiligen Phase zu stellen. Sollte dies nicht möglich sein, haben wir das Glück, die verpassten Gelegenheiten zum Aufarbeiten nachzuholen, denn sie sind nicht für immer verloren und wir bekommen mehrere Chancen.

Ein weiterer Aspekt der Verwirrtheit im hohen Alter entgegenzuwirken sind eine positive Lebenseinstellung und eine große Auswahl verschiedener Bewältigungsstrategien, die Naomi Feil in dem Kapitel Demenz beschreibt.

Als Grundlage dient ihr dazu die Nonnen-Studie. Ich finde diese Studie so wichtig und interessant, denn die Diagnose Alzheimer, muss nicht zwangsläufig heißen, das diese Menschen auch desorientiert werden, darum möchte ich diese Studie auch den Lesern meiner Literaturarbeit näher beschreiben.

NONNEN-STUDIE

Diese ist eine Langzeitstudie, in der versucht wurde, Alzheimer am lebendigen Menschen zu erforschen.

David Snowdon beobachtete 678 katholische Schwestern im Alter von 78 bis 106 Jahren.

Die klinischen Daten, die man nach der Autopsie erhielt, wurden mit den 15 Jahren andauernden Beobachtungen über kognitive Veränderungen sowie Verhaltensänderungen verglichen (Snowdon 2001).

Snowdon, fand folgende Verbindung von „Lebensfaktoren“ und Alzheimer heraus:

Je höher der Bildungsgrad, umso geringer das Alzheimerrisiko.

Je geringer der Bildungsgrad, umso größer das Risiko, Alzheimer zu entwickeln.

Er fand auch heraus, dass

Eine positive Lebenseinstellung, flexibler Umgang mit Schwierigkeiten und das Ausdrücken von Gefühlen mit der Orientierung zusammenhängen

EO Je älter man wird, umso geringer ist das Risiko Alzheimer zu bekommen. ( sobald die Nonnen 90 oder älter wurden, ließ die Prozentzahl derer die Alzheimer entwickelten, deutlich nach)  Der Zustand des Gehirns, hängt nicht immer mit dem Verhalten des Menschen zusammen. (einige Nonnen, deren Gehirne große Schäden aufwiesen, waren bis zum Ende ihres Lebens „auf Zack“, andererseits wiesen die Gehirne einiger Nonnen, die desorientiert und zurückgezogen waren, kaum Schäden auf.

Snowdowns Schlussfolgerung unterstreicht Fr. Feils These, dass die Lebensweise ein wichtiger Faktor für die Entstehung von Alzheimer und Desorientierung im hohen Alter ist.

Alzheimer

Früh einsetzende und späteinsetzende Alzheimer sind zwei verschiedene Zustände.

Beim Ersten handelt es sich um einen Krankheitsprozess.

Beim Zweiten um eine Reaktion auf körperliche Einbußen, kombiniert mit der Unfähigkeit, mit einer großen Zahl von psychologischen und sozialen Einbußen fertig zu werden.

Vorbereitung auf das Alt werden

Das Buch macht klar verständlich. Jeder kann sich auf das hohe Alter „vorbereiten“, vorausgesetzt, dass die Verwirrung eben nicht Krankheitsbedingt ist.

Dieser Faktor hat auch mein Interesse geweckt, mich mit dieser Thematik näher zu beschäftigen.

Dieses Buch hat meinen Horizont erweitert, indem wie wichtig es im hohen Alter wird, wenn man schon früh anfängt sein Verhaltensrepertoire zu erweitern.

Es gibt auch ein Kapitel: „wie geht man mit seinem eigenen Alterungsprozess um t

Das wird anhand von einem Beispiel nähergebracht.

Zuerst wird das Leben von Helen beschrieben, dann was war der Grund warum es so geendet hat und im letzten Abschnitt eine korrigierte Version von Helens Leben.

Mein Lieblingssatz in diesem Kapitel ist „wir müssen zu uns selber bis zur Schmerzgrenze ehrlich sein ‚

Hohes Alter

Im hohen Alter lässt es sich nicht vermeiden „Fehler“ zu machen und wir werden auch jede Menge Verluste hinnehmen müssen

z.B.

 körperliche: Beeinträchtigung der Sinne (sehen, hören, schmecken, fühlen, riechen)  soziale: der soziale Status verringert sich, wichtige Rolleneinteilung gehen verloren (Mutter,

Lehrer, Hauseigentümer…)

Daher wird es umso wichtiger sich selbst zu kennen und sich unserer Verhaltensmuster, unangenehme Gefühle zu leugnen, bewusst werden.

Je besser wir uns kennen, desto weniger leicht geraten wir im Alter aus dem Gleichgewicht. Je selbstbewusster wir sind, desto leichter können wir überholtes, eingefahrenes Verhalten ablegen.

Der Desorientierung entgegenwirken

Der Desorientierung kann man entgegenwirken, indem man sich seiner alteingesessenen Verhaltensmuster und Bewältigungsstrategien bewusst wird.

Wir müssen begreifen, dass das Leben eine Aufgabe ist und es keine Möglichkeit gibt sich den Aufgaben zu entziehen, denn man wird immer wieder damit konfrontiert. Gefühle wollen wahrgenommen werden, verleugnet man diese, brechen sie im Alter hervor und wollen bearbeitet werden.

Validation bietet die Möglichkeit diese „unverarbeiteten Gefühle“ Raum zu geben und sie können sich zerstreuen.

Ein wichtiger Grundsatz bei der Validation stammt von C.G. Jung: Gefühle, die ausgedrückt und dann von einem vertrauten Zuhörer bestätigt wurden, werden schwächer. Ignorierte oder geleugnete Gefühle werden stärker

Steckt man in starr eingefahrenen Rollen fest, oder identifiziert man sich z.B. nur über seinen Beruf, bricht dann eine wichtige Säule weg, beginnt der Rückzug, weil die Person“ falsch“ gelernt hat, mit Gefühlen oder Verlusten umzugehen

Dieses Buch bietet die Möglichkeit sich auf das altwerden vorzubereiten, seine Sinne zu schärfen und seine Gefühle wahrzunehmen.

Wem hilft Validation

Ich erlangte auch das richtige Verständnis, wer diese desorientierten Menschen sind, bei denen Validation angewendet wird und was die Ursache der Desorientierung ist.

Nämlich: ein Zusammenspiel von Verlusten und die Unfähigkeit mit diesen umzugehen.

Validation hilft desorientierten Menschen

-Die 80 Jahre oder älter sind

-Die keine psychiatrische Vorgeschichte haben

-Bei denen die Desorientierung keine Folge einer körperlichen Krankheit ist

Zum Grundprinzip der Validation

Jemanden zu validieren bedeutet, seine Gefühle anzuerkennen.

Diese Methode erfordert Einfühlungsvermögen. „in den Schuhen des anderen gehen“

Validationsanwender haben die Signale des älteren Menschen aufzufangen und in Worte zu kleiden. Dadurch gibt man ihnen ihre Würde zurück.

Die Methode der Validation

Diese basiert Großteils auf der Theorie von Erik Erikson.

Im Stadium „hohes Alter“ heißt die gestellte Lebensaufgabe, aufarbeiten („die Vergangenheit zu bearbeiten“). Misslingt diese Aufgabe, kann es zum Vegetieren kommen, sie spricht auch von lebendigen Toten.

In diesem Stadium ist Naomi Feil nicht Eriksons Meinung, dass es sich um einen bewussten Rückzug handelt, sie findet, dass es ein zutiefst menschliches Bedürfnis ist, in Frieden zu sterben.

Personen, die im hohen Alter über Integrität verfügen, gelangen niemals in diese Phase des Vegetierens.

Die Wichtigkeit der Validation

Da wir aber immer länger leben, wird es eine wachsende Zahl von sehr alten Menschen geben, die in dieses Endstadium des Aufarbeitens geraten.

Sie brauchen jemanden, der ihnen zuhört, der ihre Gefühle bestätigt.

Nur so können sie den Aufarbeitungsprozess fortsetzen und sich darauf vorzubereiten, in einem „aufgeräumten Haus“ zu sterben.

Gelingt es nicht, ziehen sie sich in das Vegetieren zurück.

Ich fand es sehr spannend die Hintergründe der zu validierenden zu erfahren. Das erleichtert das Verständnis, was in ihnen vor geht und warum sie sich so verhalten.

Es ist wunderschön, dass es eine Methode gibt, die sich genau diesen Menschen annimmt.

Meine Kritik

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich dieses Buch stellenweise etwas zu theoretisch finde und ich anfangs so meine Schwierigkeiten hatte, konzentriert zu bleiben.

Menschen welche noch keine Ahnung von Validation haben und sich für die Praxis interessieren würde ich dieses Buch zum Einstig nicht unbedingt empfehlen, sondern zum Buch „Validation in Anwendung und Beispielen“ raten.