Beratung und Therapie in Trauerfällen

Autor: William J. Worden

Verfasserin: Barbara Nepp

 

Bereits vor meiner Ausbildung als Lebens- und Sozialberaterin stand für mich fest, dass ich einen der Schwerpunkte meiner Tätigkeit auf die Beratung und Begleitung von Menschen in unterschiedlichsten Trauersituationen legen möchte. Deshalb habe ich auch im Rahmen meiner Zusatzqualifikation zur „Gerontopsychosozialen Beraterin“ die Zertifikatsarbeit zum Thema „Verlusterlebnisse und Trauerverarbeitung demenziell erkrankter Menschen“ verfasst. In der Auseinandersetzung mit der Literatur zu diesem Thema stößt man schnell auf das Handbuch zur Beratung und Therapie in Trauerfällen von William J. Worden. Dieses gilt als eines der Standardwerke in diesem Bereich. Es liegt in der vierten überarbeiteten und erweiterten Auflage aus dem Jahr 2011 vor, die amerikanische Originalausgabe dieses Buches stammt aus dem Jahr 1982.
In die Neuauflagen sind jeweils modifizierte und neue Erkenntnisse eingeflossen. Insbesondere die Traueraufgaben, die ein Kernstück des Ansatzes von Worden bilden, wurden laufend mit den aktuellen Forschungsergebnissen verknüpft.
Das Modell der „Aufgaben der Trauer“ bietet eine Alternative zu Phasenmodellen, die vielfach als passé betrachtet werden. Es handelt sich um einen stärker soziologisch ausgerichteten Ansatz, der Trauer als Entwicklungsprozess sieht, der durch die Bewältigung grundlegender Aufgaben befördert wird. Um sich an den Verlust anpassen zu können ist es wesentlich, dass sich die Betroffenen diesen Aufgaben stellen. Dadurch werden aber auch die Eigenverantwortlichkeit und die Handlungsmöglichkeiten von Trauernden betont, die ihren Trauerprozess nicht nur passiv zu erleiden haben, sondern aktiv gestalten und kognitiv wie sozial einordnen können, was das Verlusterleben verändert hat.
Um die Auswirkungen eines Verlusts und die damit verbundenen Verhaltensweisen vollständig erfassen zu können, ist es wichtig ein Verständnis dafür zu entwickeln, was Bindung bedeutet. Worden geht daher eingangs ausführlich auf Bindungstheorien ein. Es werden zahlreiche Erkenntnisse und Forschungsergebnisse aus der Beobachtung sowohl von Menschen als auch in der Tierwelt dargestellt.
Normale Trauer bzw. unkomplizierte Trauer umfasst ein breites Spektrum an Gefühlen und Verhaltensweisen, die nach einem Verlust häufig beobachtet werden. In der Beratung von Trauernden ist es wichtig mit dieser großen Bandbreite der Verhaltensweisen die zur normalen Trauerreaktion gehören, vertraut zu sein. Von Worden werden diese in vier allgemein Kategorien unterteilt und mit ihren jeweiligen Unterpunkten ausführlich beschrieben:
 Gefühle Traurigkeit, Wut, Schuldgefühle und Selbstvorwürfe, Angst, Einsamkeit, Erschöpfung, Hilflosigkeit, Schock, Sehnsucht, Befreiung, Erleichterung, emotionale Taubheit
Barbara Nepp, MA – Buchrezension:
Worden, W. J. (2011). Beratung und Therapie in Trauerfällen. Ein Handbuch. Bern: Verlag Hans Huber.
 Körperliche Reaktionen
„Stein im Magen“, Beklemmung auf der Brust, zugeschnürte Kehle, Überempfindlichkeit gegen Lärm, das Gefühl neben sich zu stehen, Atemlosigkeit, Kurzatmigkeit, Muskelschwäche, Energielosigkeit, Mundtrockenheit
 Kognitive Veränderungen
Leugnung, Verwirrung, ständige gedankliche Beschäftigung mit der verstorbenen Person, gefühlte Präsenz der verstorbenen Person, Halluzinationen
 Verhaltensweisen
Schlafstörungen, Appetitstörungen, Zerstreutheit, sozialer Rückzug, Träume von der verstorbenen Person, Vermeidungsverhalten, Suchen und Rufen, Seufzen, Rastlosigkeit und Hyperaktivität, Weinen, Aufsuchen von Orten oder Beisichtragen von Gegenständen, die an die verstorbene Person erinnern, Überhöhung von Objekten aus dem Besitz der verstorbenen Person.
Da viele Erscheinungsformen des normalen Trauerverhaltens auch an Anzeichen einer Depression denken lassen, werden die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Trauer und Depression näher beleuchtet.
Der Trauerprozess, als Entwicklung die auf einen schmerzlichen Verlust folgt, wird vielfach in Phasen unterteilt. Worden beschreibt unterschiedliche Phasenmodelle und stellt darauf folgend sein Modell der Traueraufgaben vor. Alleine die Begriffswahl der „Aufgaben“ vermittelt, dass die Trauernden selbst etwas tun müssen und können, um diese schwierige Lebensphase zu bewältigen.
Wie bereits erwähnt handelt kann Trauer so als ein Entwicklungsprozess gesehen werden, der durch die Bewältigung der folgenden vier grundlegenden Aufgaben gekennzeichnet ist:
Aufgabe I: Den Verlust als Realität akzeptieren
Es als Tatsache zu akzeptieren, dass die geliebte Personen tot ist und nicht zurückkehren wird.
Aufgabe II: Den Schmerz verarbeiten
Zulassen und Verarbeitung des tiefen Schmerzes den der Trauernde nach einem persönlichen Verlust hat, mit all seinen körperlichen, emotionalen und verhaltensspezifischen Komponenten.
Aufgabe III: Sich an eine Welt ohne die verstorbene Person anpassen
Dabei werden drei Bereiche angesprochen: Externe Anpassung (die Auswirkungen des Verlustes auf die Bewältigung des Alltags), interne Anpassung (die Auswirkungen des Verlustes auf das Gefühl für das eigene Selbst) und spirituelle Anpassung (die Auswirkungen des Verlustes auf die eigenen Überzeugungen, Wertvorstellungen und Annahmen über die Welt)
Aufgabe IV: Eine dauerhafte Verbindung zu der verstorbenen Person inmitten des Aufbruchs in ein neues Leben finden
Neuverortung der verstorbenen Person, um so einerseits mit ihr in Verbindung zu bleiben, sich aber andererseits dem eigenen Leben zuwenden zu können.
Die Bewältigung dieser Traueraufgaben wird durch verschiedene Faktoren, den so genannten Mediatoren der Trauer, beeinflusst. Diese entscheiden mit darüber, ob und wie die einzelnen Traueraufgaben bewältigt werden und bieten auch eine Erklärung dafür, dass jeder Mensch unterschiedlich an diese Aufgaben herangeht.
Barbara Nepp, MA – Buchrezension:
Worden, W. J. (2011). Beratung und Therapie in Trauerfällen. Ein Handbuch. Bern: Verlag Hans Huber.
Die folgenden Mediatoren der Trauer werden identifiziert und beschrieben:
Mediator 1: Wer ist gestorben
Mediator 2: Welche Art von Bindung bestand
Mediator 3: Wie starb die Person (Nähe, Plötzlichkeit, Trauma und Gewalt, mehrere Todesfälle, vermeidbare Todesfälle, ungeklärte Todesfälle, stigmatisierte Todesfälle)
Mediator 4: Frühere Erfahrungen
Mediator 5: Persönlichkeitsvariablen (Alter und Geschlecht, Bewältigungsstil, Bindungsstil, Denkstil, Ich-Stärke: Selbstachtung und Kompetenzerwartung, Überzeugungen und Wertvorstellungen)
Mediator 6: Soziale Variablen
Mediator 7: Gleichzeitig auftretende Belastungen
Vorsicht ist allerdings geboten, all diese Determinanten und Mediatoren der Trauer zu simplifizierenden Schlussfolgerungen im Bezug auf die Trauerverarbeitung heranzuziehen. Das Erleben wird stets von vielen Faktoren bestimmt, die sich wechselseitig beeinflussen und sehr individuell ausgeprägt sind.
Worden unterscheidet bewusst zwischen Trauerberatung und Trauertherapie. Dabei hilft die Beratung Trauernden, ihre normalen Trauerreaktionen so zu verarbeiten, dass die Traueraufgaben innerhalb eines vertretbaren Zeitrahmens bewältigt werden können. Die Trauertherapie bietet therapeutische Hilfe für Menschen mit unnormalen und komplizierten Trauerreaktionen mittels besonderer Techniken.
In der Trauerberatung gibt es bestimmte Grundsätze, die sich bei dem Bemühen Trauernden zu helfen, eine akute Trauersituation gut zu bewältigen und zu einer tragfähigen Anpassung an die veränderte Situation zu kommen, besonders bewährt haben (Worden, 2011, S. 89 ff.):
1. Trauernden helfen, den Verlust zu realisieren
2. Trauernden helfen, Gefühle (Wut, Schuld, Angst und Hilflosigkeit, Traurigkeit) zu benennen und zuzulassen
3. Trauernden helfen, ohne die verstorbene Person weiterzuleben
4. Trauernden helfen, Sinn neu zu formulieren
5. Trauernden helfen, die verstorbene Person emotional neu zu verorten
6. Trauernden helfen, der Trauer Zeit zu geben
7. Über das „normale“ Trauerverhalten informieren
8. Individuelle Unterschiede berücksichtigen
9. Bewältigungsstile hinterfragen
10. Pathologische Entwicklungen erkennen und für eine adäquate Behandlung sorgen
Entsprechende Techniken die sich in der Trauerberatung als besonders nützlich erwiesen haben sind eine deutliche (evokative) Sprache, das Einsetzen von Symbolen, Schreiben, Zeichnen und Malen, Rollenspiel, die kognitive Umstrukturierung, Erinnerungsbücher, gezieltes Visualisieren und der Einsatz von Metaphern.
Barbara Nepp, MA – Buchrezension:
Worden, W. J. (2011). Beratung und Therapie in Trauerfällen. Ein Handbuch. Bern: Verlag Hans Huber.
Eine sehr effiziente Methode, die den Betroffenen auch emotionale Unterstützung gibt ist die Trauerberatung in der Gruppe. Als Empfehlungen für den Aufbau einer Gruppe und eine effektive Gruppenarbeit wird auf die Wahl der Rahmenbedingungen, die Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Definition der Erwartungen, die Darlegung der Grundregeln, die Bestimmung der Leitung sowie die Kenntnis der Bedürfnisse an die Gruppe hingewiesen. Auch der effektive Umgang mit störenden Verhaltensweisen, wie die „Mein Verlust ist größer als dein Verlust“-Einstellung, Moralisieren, Schweigen, wichtiges Thema am Ende der Sitzung, Ansprechen nach der Sitzung, Unterbrechen, unangemessene Reaktionen, unangebrachte Kommentare, großes Mitteilungsbedürfnis und Kritik an der Gruppenleitung, wird thematisiert.
Im Weiteren widmet sich Worden der komplizierten Trauer. Auch hier sind die bereits genannten Mediatoren der Trauer, die für die Art, die Intensität und die Dauer des Trauerns bedeutsam sind, wichtig. Diese Einflussfaktoren werden im Bezug auf komplizierte Trauer beschrieben und es wird auf die Aspekte von „Komplizierter Trauer“ als eigenständige Diagnose eingegangen. Trauer ist eine normale Reaktion, die von individuell sehr unterschiedlichen Erfahrungen geprägt ist. Die Schwierigkeit liegt im Trauerprozess, der durch verschiedene Faktoren behindert, erschwert oder verzögert sein kann, so dass eine angemessene Anpassung an den erlittenen Verlust nicht möglich ist. Die komplizierte Trauer wird vom Autor anhand von den vier Stichpunkten – chronische Trauerreaktion, verzögerte Trauerreaktionen, übertriebene Trauerreaktionen und lavierte Trauerreaktionen – beschrieben. Im Anschluss daran finden sich 12 Anhaltspunkte für die Diagnose der komplizierten Trauer.
Trauertherapie unterscheidet sich von der Trauerberatung in ihrer Zielsetzung. In der Therapie geht es darum, Menschen mit komplizierter Trauer zu helfen, die der Bewältigung der Traueraufgaben im Wege stehenden Trennungskonflikte zu erkennen und zu lösen. Trauertherapie eignet sich am besten für Situationen, die in eine oder mehrere der eben erwähnten Kategorien der komplizierten Trauer fallen.
Nach Maßgabe der theoretischen Vorbildung und des fachlichen Könnens kann jede Therapeutin bzw. jeder Therapeut die folgenden therapeutischen Verfahren der Trauertherapie anwenden:
1. Körperliche Erkrankung ausschließen
2. Vertrag und Bündnis schließen
3. Erinnerungen an die verstorbene Person wiederbeleben
4. Herausfinden, welche der vier Traueraufgaben noch unerledigt sind
5. Den Umgang mit Erinnerungen und den durch sie wachgerufenen Gefühlen üben
6. „Brückenobjekte“ erkennen und in die Therapie einbeziehen
7. Trauernden dabei helfen, die Endgültigkeit des Verlusts zu akzeptieren
8. Trauernden dabei helfen, ein neues Leben ohne die verstorbene Person anzugehen
9. Trauernden dabei helfen, ihre sozialen Beziehungen zu intensivieren
10. Trauernden dabei helfen, sich ein Ende der Trauer vorzustellen
Über die bereits genannten Verfahren hinausgehend, können bestimmte Todesumstände zusätzliches Verständnis und spezielle Interventionen notwendig machen. Es werden spezifische Merkmale und Probleme, sowie Konsequenzen für mögliche therapeutische Interventionen für besonders schmerzliche Verluste durch Suizid, unvorhersehbare Unfälle, plötzlichen Kindstod,
Barbara Nepp, MA – Buchrezension:
Worden, W. J. (2011). Beratung und Therapie in Trauerfällen. Ein Handbuch. Bern: Verlag Hans Huber.
Fehlgeburt, Totgeburt oder Schwangerschaftsabbruch, antizipierte Todesfälle und Aids ausführlich dargestellt.
Ein weiterer Abschnitt ist der Trauer im Familiensystem gewidmet. Wichtig ist es immer darauf zu achten, dass die einzelnen Mitglieder einer Familie nicht unbedingt gleichzeitig mit denselben Traueraufgaben ringen und jeder in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Weise trauert. In Der Trauerberatung ist es das Ziel möglichst alle Mitglieder einer Familie einzubeziehen. Zumindest eine gemeinsame Sitzung mit der gesamten Familie ist hilfreich um zu sehen wie die Familie als Einheit interagiert und die einzelnen Mitglieder einander beeinflussen. Aber auch in der Einzelarbeit lässt sich der systemische Ansatz verwirklichen.
Professionelle Begleiter des Prozesses der Trauer werden vor eine besondere Herausforderung gestellt, denn die Trauererfahrung hat etwas, das sie den Trauernden gegenüber hilflos macht. Bowlby beschrieb 1980 den Verlust eines geliebten Menschen als eine der schmerzlichsten Erfahrungen, die Menschen erleiden können. Schmerzlich ist diese nicht nur für die unmittelbar Betroffenen, sondern auch für jene die als Berater Zeugen des Leids werden. Die Trauererfahrung des Gegenübers führt zu einer Machtlosigkeit und macht es schwer zu helfen oder sich wenigstens hilfreich zu fühlen. Die schmerzliche Verlusterfahrung anderer Menschen ist zum einen eine Bewährungsprobe für die Fähigkeit zu helfen, anderseits wird der Berater in mehrfacher Hinsicht ganz persönlich berührt:
 Durch die Arbeit mit Trauernden werden eigene schmerzliche Verluste bewusst. Wurden diese nicht angemessen verarbeitet, können sie an der Einleitung hilfreicher Interventionen hindern. Konnte der Verlust hingegen ausreichend integriert werden, kann die Erfahrung bei der Arbeit mit Trauernden in ähnlicher Lage von Nutzen sein.
 Auch befürchtete Verluste seitens des Beratenden können einer effektiven therapeutischen Beziehung im Wege stehen. Vor allem dann wenn die Ängste hinsichtlich zukünftiger Verluste – der Eltern, der Kinder, der Partnerinnen und Partner, usw. die seitens des Begleiters in die Beratungssituation (auf einer unbewussten Ebene) eingebracht werden, dem Verlust des Menschen der beraten wird sehr ähnlich sind.
 Existenzielle Angst und ein starkes Bewusstsein für die eigene Sterblichkeit können die therapeutische Beziehung ebenfalls beeinträchtigen. In der Trauerberatung und -therapie kommt man ständig mit der Unausweichlichkeit des Todes und dem Maße, in dem sie das eigene Leben belastet, in Berührung. Mit der Realität der eigenen Sterblichkeit ins Reine zu kommen anstatt das ungute Gefühl im Untergrund schwelen zu lassen kann die Effizienz der Begleitung unterstützen.
Um der besonderen Herausforderung in der Arbeit mit Trauernden gut begegnen zu können, ist es wichtig eigenen Trauererfahrungen nachzugehen. Zum einen kann es helfen, besser zu verstehen, was es bedeutet, den Trauerprozess zu durchlaufen, schmerzliche Erfahrungen durchzustehen und eine allmähliche Heilung zu verspüren. Zum anderen wird durch die kritische Rückbesinnung auf eigene Erlebnisse deutlich, welche Ressourcen Trauernden zur Verfügung stehen. Es ist sowohl interessant zu wissen, was einem selbst bei der Überwindung eines bestimmten Verlustes geholfen hat, als auch was weniger hilfreich war. Dies ermöglicht kreativere Interventionen, da man nicht nur weiß, was man sagen soll, sondern auch, was man besser nicht sagt.
Barbara Nepp, MA – Buchrezension:
Worden, W. J. (2011). Beratung und Therapie in Trauerfällen. Ein Handbuch. Bern: Verlag Hans Huber.
Die Beschäftigung mit der eigenen Trauer unterstützt insbesondere auch dabei zu erkennen, mit welchen Trauersituationen und Trauernden man wirklich umzugehen vermag. Wichtig ist es die persönlichen Grenzen gut zu kennen und den Mut zu haben, Typen von trauernden Menschen mit denen man weniger gut zurechtkommt an andere zu überweisen.
Zum Abschluss des Buches finden sich Hinweise zur Ausbildung zur Trauerberatung nach William J. Worden. Ein Teil widmet sich dabei dem Rollenspiel und es sind mehrere Fallbeispiele (Vignetten) für das üben in der Rolle der Beraterin oder des Beraters sowie in der Rolle der verschiedenen Trauernden Personen abgedruckt. Weiters finden sich hilfreiche Adressen für den deutschsprachigen Raum (A, D, CH) sowie eine ausführliche Bibliographie.
Persönliche Reflexion
William J. Wordens Handbuch gilt als Standardwerk in der Beratung und Therapie von Trauerfällen und das meiner Ansicht überaus zu Recht. Umfassende Informationen und aktuelle Forschungsergebnisse werden sehr übersichtlich und anschaulich dargestellt. Vielfältige Aspekte werden beleuchtet ohne sich zu sehr ins Detail zu verlieren.
Das Buch ist insbesondere für professionelle Begleiter von trauernden Personen geeignet. Sowohl für die Trauerberatung als auch für die Trauertherapie bzw. sowohl für die „normale“ Trauer als auch für die „komplizierte“ Trauer werden zum einen wesentliche Einflussfaktoren und Reaktionsmuster der betroffenen Personen dargestellt und zum anderen Handlungsmöglichkeiten für die Begleiter aufgezeigt.
Ich konnte in der Auseinandersetzung mit diesem Handbuch wesentliche Erkenntnisse für meine Arbeit und den Umgang mit Trauernden gewinnen. Insbesondere der Ansatz der Traueraufgaben bietet für mich ganz besondere Aspekte in der Betrachtung des Trauerprozesses, die ich bisher in den unterschiedlichen Phasenmodellen (bspw. nach Elisabeth Kübler-Ross oder Verena Kast) so nicht erkennen konnte.
Besonders schön finde ich den neuen/modifizierten Ansatz der vierten Trauerphase – dass es zum Abschluss des Trauerprozesses nicht vorrangig darum geht Vergangenes loszulassen, sondern darum Vergangenes in Liebe ins eigene Leben zu integrieren.
Ein Aspekt der mir in diesem Buch fehlt, der allerdings durch Werke anderer Autoren abgedeckt werden kann, ist das Eingehen auf Trauerprozesse in Beratung und Therapie abseits von Todesfällen.