Das Schattenprinzip

Autor: Rüdiger Dahlke

Kurzbeschreibung von Michaela Cornelia Mayer

 

Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite Dass ich mich für dieses Buch entschieden habe, hängt einerseits mit dem Thema meiner Diplomarbeit zusammen und andererseits mit meinem Ziel, „der Reiter auf dem Pferd“, – einem Zitat von Viktor Frankl – zu werden.

Was mich besonders motiviert hat dieses Buch zu kaufen, ist die Tatsache, dass ich damit ein praktisches Übungsbuch zur Hand habe und ich mich somit auf eine spannende Reise in Schattenreich machen kann.

Um einen kurzen Einblick in das Buch zu ermöglich, gehe ich nun auf ein paar interessante Aspekte ein.

Die Aussöhnung mit dem eigenen Schattenreich ist das höchste und tiefste Ziel zugleich, das sich ein Mensch stecken kann, schreibt Rüdiger Dahlke und lädt den Leser dieses Buches ein, sich auf diese ungewöhnliche Reise einzulassen, indem er von Anfang an und parallel zur Lektüre ein Schattentagebuch führt. In diesem sind sowohl die Ergebnisse der Zwischenfragen und Tests festzuhalten, als auch die in den Übungen und Meditationen gesammelten Erfahrungen.

Die dem Buch beiliegende CD liefert weitere praktische Einstiegsmöglichkeiten in die Seelen-Bilder-Welt.

Die im Buch verstreuten Anregungen, sich auch bestimmte Filme zu Hause auf DVD anzuschauen, bringen äußere Schatten-Licht-Bilder mit ins Spiel und verbinden sie mit den anschließenden Übungen mit den inneren Seelen-Bilder-Welten zu einem Ganzen, das viel mehr ist als die Summe seiner Teile.

Somit ist dieses Buch kein Lesebuch im herkömmlichen Sinn, sondern es bringt mehr Gewinn, es immer wieder Mal zur Hand zu nehmen, um sich mittels Theorie und Praxis bisher Unbewusstes bewusst zu machen und Licht ins Schattenreich zu bringen.

Was ist der Schatten

Für C. G. Jung, den Vater der Schatten-Psychotherapie, ist der Schatten einfach das gesamte Unbewusste. Daher sind alle Symptome ob körperlich, seelisch oder geistig — Ausdruck von Schatten. Der Schatten ist das angstmachende Unbekannte. So dunkel er auch sein mag, birgt er doch Zugang zu allem Licht in einem selbst, welches jede Bewusstwerdung braucht. Somit ist der Schatten der eigentliche Schlüssel zum Leben.

Das Dunkle in jedem

„Versuchen Sie, gedanklich irgendetwas in dieser Welt zu finden, zu dem es keinen Gegenpol gibt. Wenn Sie die Vergeblichkeit dieser Erfahrung erlebt haben, genießen Sie einen Moment lang die Gewissheit, folglich auch selbst eine dunkle Seite haben zu dürfen.“

Mit dieser Übung lädt der Autor ein, anzuerkennen, dass das Dunkle in uns sein darf. Denn sobald wir etwas aus unserem Bewusstsein verbannen, weil es uns Angst macht, wird es unbewusst und sinkt in den Schatten. Doch das Verbannte fügt sich nicht kampflos. Die Gefühle, die wir unterdrückt haben, drängen darauf, anerkannt und integriert zu werden. Sie sind nur dann schädlich, wenn sie verdrängt werden, denn sie brechen hervor, wenn es völlig unangemessen ist. Ihre hinterhältigen Attacken behindern uns gerade in den Bereichen des Lebens, die für uns am wichtigsten sind. Dahlke geht in diesem Kapitel auf das Thema Polarität näher ein. Er erläutert ihre Entstehung auch anhand der Bibel: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Gott steht somit für die Einheit, Himmel und Erde stehen für die Welt der Gegensätze. Letztlich existiert nur die Einheit. Sie bleibt jedoch in unserer Welt unsichtbar. Der letzten Wirklichkeit entsprechend steht sie weit über der Polarität. Der Schatten scheint nur in der Polarität gleichberechtigt gegenüber dem Licht, welches ja zugleich das Symbol der Einheit ist. Im Hinblick auf diese letzte Wirklichkeit steht Licht über dem Schatten. Während der Schatten nichts Eigenständiges ist, existiert das Licht für sich allein und bedarf dazu nicht des Schattens. Das Beispiel mit der Kerze macht dies deutlich: Eine winzige Kerze genügt, um die Dunkelheit zu vertreiben. Aber umgekehrt kann der Schatten dem Licht nichts anhaben.

Die Tatsache, dass wir über das Dunkel zum Licht oder über den Schatten zur Befreiung gelangen, kleidet C .G. Jung in die Formel: Ich + Schatten = Selbst. Das Ich ist alles, womit wir uns bewusst identifizieren. Schatten ist dagegen alles Unbewusste, alles Abgelehnte, alles Negative. Um das Selbst, die höchste Entwicklungsstufe der Befreiung zu erlangen, müssen Ich und Schatten zusammenfinden.

Der Autor erklärt an Hand eines Beispiels auch, wie sich Schatten aufbaut. Die Tatsache, dass wir bereits in der Kindheit aufgefordert werden, Entscheidungen zu treffen, führt seiner Meinung nach, unweigerlich zur Schattenbildung. Sobald wir eine Richtung wählen, wird mindestens eine andere ausgeschlossen. Ein sowohl-als-auch wäre angemessener, denn es ließe beiden Polen mehr Raum. Schatten ist ja, einfach ausgedrückt, alles was wir an uns und unserer Welt nicht sehen wollen. Da wir ein Leben lang Dinge ersehnen und andere ablehnen, wächst er mit uns mit.

Während wir selbst unseren Schatten nicht sehen können, können andere es sehr wohl. Eine Person etwa, die ständig die eigene Ehrlichkeit betont, wird anderen rasch verdächtig im Hinblick auf Unehrlichkeit.

Da alles ungelebte Leben zum Schatten wird, sind Schattenthemen keineswegs nur dunkel und negativ. Jeremiah Abrams, ein amerikanischer Schattentherapeut, sieht deshalb seine Aufgabe darin, „ . der Geschichte des Klienten Realität und Sinn zu geben und ihm zu helfen, sich die verdrängten Teile seiner Persönlichkeit bewusst zu machen. Die größte Sünde ist vielleicht das ungelebte Leben“.

Das eigene Leben nicht wirklich gelebt zu haben, diese „Sünde“ beklagen Menschen auf dem Totenbett tatsächlich mehr als irgendwelche begangenen Fehler. Sie wünschen sich vor allem drei Dinge: mehr gelebt, mehr riskiert zu haben und mehr Disziplin aufgebracht zu haben. Was sie gehindert hat, war Angst. Sie ist eine der größten Schattenquellen.

In Buch greift der Autor weitere Themenbereiche auf: Er erklärt, wie man die innere Wirklichkeit erkennen kann. Wie Masken entstehen. Er empfiehlt Märchen und Mythen als Wegweiser. Er zeigt auf, wie man Herausforderungen in Geschenke verwandeln und dieses sammeln kann.

Anhand seiner eigenen Schatten beschreibt Dahlke sehr humorvoll seine bunte innere Familie und er schreibt über den Urlaub als Schattenventil.

Ein weiteres, sehr interessantes Kapitel beschäftigt sich mit den Tipps für das Heben des Schatzes, beginnend mit dem sogenannten „Freud ’schen Versprecher, geht näher auf Fehlhandlungen ein, wie zum Beispiel: „Mir ist die Hand ausgerutscht“ und damit die Schuld von sich zu weisen. Er geht auf das Thema Vorurteile ein, setzt sich mit Gefühlen wie Wut, Neid, Hass, Missgunst und Aggression auseinander.

Wir wissen, dass letztlich alles, was uns nicht gefällt, was uns nicht passt, was unsere Abwehr hervorruft, ein Hinweis auf Schatten und damit zugleich eine Lern- und Wachstumschance ist. Wo immer wir Widerstand empfinden, können wir sicher sein, dahinter auf eigenen Schatten zu stoßen. Thorwald Dethlefsen schreibt in seinem Buch „Schicksal als Chance: der größte Teil des menschlichen Leidens besteht aus dem selbstausgeübten Widerstand gegen manifestierte Umstände. Alle Dinge sind an sich wertfrei und neutral. Die Einstellung des Menschen macht aus ihnen erst Gegensätze der Freude und des Leides.

Den Abschluss seines Buches widmet Rüdiger Dahlke dem Thema „Ausgesöhnt sein“ und geht dabei näher auf das holografische Weltbild, Psychotherapie, spiritueller Weg und Engelprogramm ein.

Im Anhang findet sich noch eine kleine Aufzählung von Lieblingswitzen und deren Schatten, sowie Berufe und deren Schattenseite und macht damit das Buch zu einem besonders lesenswerten Werk.

Der Autor

Ruediger Dahlke, Jahrgang 1951, studierte Medizin in München und bildete sich zum Arzt für Naturheilweisen und Psychotherapie fort. Von 1978 bis 2003 war er als Psychotherapeut tätig. 1989 gründete er zusammen mit seiner Frau Margit das Heil-Kunde-Zentrum Johanniskirchen. Heute ist er als Fastenarzt, Seminarleiter und Vortragender international tätig. Seine Bücher zur Psychosomatik unter Einbezug spiritueller Themen sind Bestseller und liegen in 22 Sprachen vor.

Reflexion des Buches

Das Buch ist kein Lesebuch im herkömmlichen Sinne, sondern ein spannender Reiseführer zu sich selbst, mit vielen humorvollen Passagen. Dahlke gelingt es mit diesem Buch, den Fokus auf die positiven Aspekte der Schattenarbeit zu lenken und nimmt damit auch teilweise die Schwere von diesem Thema. Dahlke schafft es mich in den Bann zu ziehen. Für mich war allein schon das Lesen eine zum Teil sehr amüsante Reise durch das Buch. Es hat die Neugier und das Feuer in mir geweckt hat und ich freue mich auf die Reise zu mir selbst und damit der Integration des Schattenreiches.