Sucht-Hintergründe und Heilung „Abhängigkeit verstehen und überwinden“

Autor: Heinz-Peter-Röhr

Verfasserin der Kurzbeschreibung: Sarah Barilich

gekürzt

1. Tod und Auferstehung – Leben mit Suchtkrankheit und Co-Abhängigkeit

Im ersten Kapitel „Tod und Auferstehung — Leben mit der Suchtkrankheit und Co-Abhängigkeit“ ging es um den Trauerprozess allgemein und um die Genesung des Suchtkranken. Der Trauerprozess setzt sich zusammen aus der Verleugnung, Verzweiflung, der aktiven Trauerarbeit und Verantwortungsübernahme, sowie der Auferstehung. Die 4 Phasen muss der Suchtkranke durchlaufen um wieder ein neues Leben beginnen zu können. Viele Suchtkranke bleiben aber in der Phase 1 Verleugnung und der Phase 2 der Verzweiflung stecken. Sie verleugnen ihre Krankheit oder werden aus anderen Gründen rückfällig. Es ist nicht gelungen, die Krankheit tiefer zu betrauern und als Bestandteil des eigenen Lebens zu verstehen und zu integrieren, das heißt sie schaffen es nicht, zu Phase 3 und 4 zu gelangen. Damit haben sie auch keine Chance aus dem Leid der Vergangenheit Nutzen zu ziehen.

Anderen Suchtkranken gelingt es zwar die Krankheit zu betrauern, sie sind aber nicht in der Lage, diese Trauer zu beenden. Sie hören nicht auf, darüber zu klagen, was sie alles erleben mussten. Die Gefahr besteht auch jetzt noch, dass sie sich wieder in Phase 1 begeben, die Krankheit leugnen wollen und rückfällig werden.

Heinz Peter Röhr sagt, dass irgendwann es den Entschluss zu fassen gilt, die Trauer nachdem sie durchlebt wurde, loszulassen und ein neues Leben zu beginnen. Zufriedene Nüchternheit kann erreicht werden, wenn man zu einem JA findet zu allem, was geschehen ist und wenn man den Mut hat, für den entstanden Schaden die Verantwortung zu übernehmen. Auferstehung bedeutet ein neues Leben zu beginnen, lebendig zu werden, sich selbst lieben zu lernen, beziehungsfähig und liebesfähig zu werden.

Im zweiten Teil in diesem großen Kapitel beschreibt Heinz Peter Röhr die Co-Abhängigkeit in dem er beschreiben wird, das Helfen für Co-Abhängige ein Beruhigungsmittel ist, das heißt der Co-Abhängige gerät in den Zwang, helfen zu müssen. Helfen wird sein Mittel, sich gegen zunehmende Angst und Unsicherheit zu wehren. Der CoAbhängige versucht, Sicherheit für sich und andere auf die Weise herzustellen, dass er perfekt funktioniert und insgesamt die Verantwortung übernimmt.

Er sagt, dass genau wie der Süchtige die Kontrolle über seinen Suchtmittelkonsum verliert und Kontrollverlust das zentrale Merkmal seiner Krankheit ist, ist der Zwang zu helfen oder die Unfähigkeit mit dem Helfen aufzuhören, das zentrale Merkmal der Co-Abhängigkeit. In diesem Sinne wird der Co-Abhängige ebenfalls suchtkrank.

Es wird auch über die Behandlung der Co-Abhängigen geschrieben. Die Behandlung der Co-Abhängigen ist meist schwierig, denn ihr Blickwinkel richtet sich immer wieder nur darauf, dass der Süchtige Hilfe braucht. Wenn er mit dem Suchtmittelkonsum aufhört, sind alle Probleme verschwunden.

Er erläutert, dass der erste Schritt immer die Aufklärung über die Suchtkrankheit und über die Co-Abhängigkeit ist. Sowie der Suchtkranke als auch der Co-Abhängige muss krankheitseinsichtig werden und erkennen, dass er unfähig ist mit dem Helfen aufzuhören.

Die Behandlung der Co-Abhängigkeit bezieht sich auf drei Problembereiche:

Den Süchtigen loslassen o Das Trauma der Co-Abhängigkeit bearbeiten (Trauerarbeit)

Die Hintergründe der Co-Abhängigkeit verstehen und sie bearbeiten

In dieses Kapitel wurde die Suchtkrankheit als Sinnkrankheit beschrieben, denn einen Mangel an Sinn gab es in der Regel schon vor dem Ausbruch der Sucht. Die Sinnfrage ist für jeden Menschen ein zentrales Thema aber für Suchtkranke ist sie jedoch von höchster Bedeutung

2. Die Bearbeitung von Schuld- und Schamgefühlen vom abhängigen zum unabhängigen Selbstwertgefühl …

Im zweiten Kapitel „die Bearbeitung von Schuld- und Schamgefühl — von abhängigen zum unabhängigen Selbstwertgefühl“ geht es grundsätzlich um das Selbstwertgefühl, wie ein unabhängiges Selbstwertgefühl entsteht und wie man von abhängigen zum unabhängigen Selbstwertgefühl kommt.

Heinz Peter Röhr nahm das Gleichnis vom verlorenen Sohn als Beispiel für das Scheitern von Menschen und als Beispiel für das unabhängige Selbstwertgefühl und den abhängigen Selbstwertgefühl.

In diesem Kapitel wird deutlich, dass Menschen dazu tendieren ihr Selbstwertgefühl von anderen abhängig zu machen. Kinder gewinnen ihr Selbstwertgefühl, indem sie von den Eltern gespiegelt werden. Wie sie sich von Eltern angenommen und wertgeschätzt fühlen. Überträgt sich auf sie selbst. Wenn Eltern ihre Kinder nicht lieben können, ist dies ein Drama. Die Sehnsucht doch noch die Liebe eines Elternteils zu gewinnen, lässt sie mitunter nach völlig unrealistischen Lösungen suchen. Sie bleiben abhängig, etwa weil sie immer noch, auch als Erwachsene hinter der Liebe eines Elternteils herlaufen.

Um zu einen gesunden Selbstwertgefühl zu gelangen, müssen die Kränkungen, Verletzungen durch andere, die nicht verziehen wurden, bearbeitet werden. Aber auch Selbstverletzungen bedürfen der Bearbeitung, da für sie dasselbe gilt: Verzeihen und sich selbst verzeihen ist der einzige Weg, frei und unabhängig zu werden.

In diesem Buch wurde beschrieben wie ein unabhängiges Selbstwertgefühl entsteht.

3. Sucht und Persönlichkeitsstruktur

In diesem Kapitel wurden die abhängige, narzisstische, Borderline, hysterische, zwanghafte und die schizoide Persönlichkeitsstruktur in Verbindung mit der Sucht beschrieben. Heinz Peter Röhr beschreibt bei jeder einzelnen Persönlichkeitsstruktur wie der Patient krankheitseinsichtig wird, welche typischen Probleme es gibt während der Therapie, die typischen Wege in die Rückfälligkeit und die Chancen und positiven Entwicklungen des Patienten.

Heinz Peter Röhr beschreibt, dass es einer abhängigen Persönlichkeit es oft an Durchsetzungskraft fehlt, sie können sich nicht genügend abgrenzen, sind demzufolge zu überangepasst und haben meist ein schwaches Selbstwertgefühl. Das Suchtmittel hat hier die Funktion, innere Defizite auszugleichen.

Die zweihäufigsten Persönlichkeitsstrukturen, die bei Suchtkranken anzutreffen ist, ist die narzisstische Persönlichkeitsstruktur. Zunächst fällt das nach außen demonstrierte übersteigerte Selbstwertgefühl auf. Diese Menschen wirken außerordentlich selbstsicher. Hinter einer perfekten, mitunter grandiosen Fassade findet sich jedoch ein brüchiges Selbst; hier ist ein Verzweifelter, der voller Selbsthass und mit Groll auf sich und die Welt in großer Unzufriedenheit lebt. Neben exzessiven Arbeiten, mit dessen Hilfe das mangelnde Selbstwertgefühl stabilisiert werden soll, setzen die Betroffenen vor allem Alkohol als Problemlöser ein. Suchtkrank zu sein ist zunächst eine massive Kränkung des Selbstwertgefühls.

Eine weitere Persönlichkeitsstörung die Heinz Peter Röhr in diesen Buch erwähnt und die häufig zur Sucht führt, ist die Borderline-Störung: Menschen die immer bis an die Grenze gehen, die das Extreme suchen, die nur Schwarz oder Weiß zu kennen scheinen: „Alles oder nichts!“ Die Betroffenen finden in sich selbst keinen sicheren Halt und sind daher gezwungen, ständig für Unruhe zu sorgen, etwa in extremen Beziehungen, die chaotisch und chronisch instabil sind. Wie vieles andere geschieht auch der Suchtmittelkonsum exzessiv. Bevorzugt werden Drogen, die eine beruhigende angstlösende und entspannende Wirkung haben.

Relativ häufig findet sich bei Suchtkranken eine hysterische Persönlichkeitsstruktur. Auch bei dieser Störung das heißt die Betroffenen glauben sie selbst seien in Ordnung, die anderen aber nicht. Hysteriker entwickeln häufig wechselten Symptome: Ängste, Panik, Verstimmungen, Schmerzen usw. Suchtmittel werden häufig zu Stabilisierung der labilen Psyche eingesetzt, aber auch gegen Wut und Trotzgefühle, wenn sich die Dinge nicht nach den eigenen Bedürfnissen entwickeln.

Heinz Peter Röhr beschreibt in diesem Kapitel auch die zwanghafte Persönlichkeitsstörung. Der Zwanghafte versucht, Sicherheit durch verstärkte Ordnungsliebe zu erreichen. Er hat Angst die Übersicht und Kontrolle zu verlieren. Sie sind pedantisch auf die Einhaltung von Regeln bedacht, sind übermäßig vorsichtig und zweifeln oft an der Richtigkeit von Entscheidungen. Sie vernachlässigen zwischenmenschliche Beziehungen, weil sie auf perfektionstische Weise ihre Arbeit erledigen müssen. Gegen die Wut- und Angstgefühle wirken Suchtmittel beruhigend und besänftigend. Desweitern hat das Suchtmittel die Funktonen, Hemmungen abzubauen, besser in Kontakt zu kommen oder bestimmte beunruhigende Gedanken zu stoppen, die sich immer wieder aufdrängen.

Die letzte Persönlichkeitsstörung die Heinz Peter Röhr in diesem Kapitel beschreibt ist die schizoide Persönlichkeitsstörung. Der schizoide Mensch hat Angst vor Nähe. Er lebt hinter einer Glaswand, die ihn von seinen Mitmenschen schützt. Am liebsten ist er allein und lebt einzelgängerisch. Schizoide haben Angst, ihre Unabhängigkeit zu verlieren und von anderen manipuliert zu werden. Alles, was mit Verbindlichkeit, Liebe, Zärtlichkeit, Zuneigung der Sympathie zu tun hat, ist gefährlich. Die heimliche Sehnsucht nach Berührung und Vertrautheit kann er nur mit Hilfe der Droge scheinbar befriedigen. Das Suchtmittel soll die starre Fassade lockern und Begegnung erleichtern. Es soll den Schizoiden aus seinem inneren Gefängnis führen, seine Isolation auflösen und Hemmungen beseitigen.

4. Der Autonomie-Abhängigkeitskonflikt oder Das Michael-Kohlhaas-Syndrom

Dieses Kapitel beschreibt den Autonomie-Abhängigkeitskonflikt sowie die Behandlung dieses Konfliktes. Heinz Peter Röhr ist der Meinung, dass viele Suchtkranke an einem AutonomieAbhängigkeitskonflikt leiden, der eine psychische Störung ist, die Betroffene nicht direkt erkennen können. Sie lässt sich zunächst nur indirekt entdecken, insbesondere an den destruktiven Mustern, die sich trotz allem Anstrengung nicht überwinden lassen. Diese Muster sind zum Beispiel

Immer wieder Machtkämpfe zu suchen und in Machtkämpfe verstrickt zu sein,               Rechthaberei, Sich nicht von logischen Argumenten überzeugen zu lassen,  Erfolge selbst zu sabotieren, indem z.B. eine Ausbildung kurz vor dem Ende abgebrochen wird, eine unaufhaltsame fortschreitende Selbstzerstörung

Die Misserfolge die sich zwangsläufig einstellen, führen zum Verlust der Lebensfreude und selten zu Selbstzerstörung. Der Selbsthass wird immer stärker, weil sich die Betroffenen selbst die Schuld am Scheitern geben. Nicht selten greifen diese Menschen zu Suchtmittel um die Wut und den Hass auf sich selbst zu betäuben.

Zusammenfassend kann man sagen: Der Autonomie-Abhängigkeitskonflikt ist gekennzeichnet durch Angst vor Abhängigkeit einerseits und gleichzeitig Liebesbedürfnis andererseits. Die Betroffenen fühlen sich um Liebe betrogen und wollen sie einklagen; sie fordern Gerechtigkeit. Liebe kann man nicht einklagen, sie ist immer ein Geschenk.

Nur wer seinen Autonomie-Abhängigkeitskonflikt verstanden hat, kann ihn überwinden. Der einzige mögliche Ausweg ist Trauerarbeit. Nur wer verstanden hat, warum es bis dahin nicht unabhängig werden konnte, kann beginnen, sich selbst zu verzeihen. Der Beginn einer erlösenden Trauerarbeit ist die Übernahme von Verantwortung. Nur der Mut, sich ehrlich mit den schmerzhaften Gefühlen zu konfrontieren und sie zu akzeptieren, kann der Teufelskreis durchbrochen werden.

5. Destruktive abhängige Beziehungen

Destruktive abhängige Beziehung ist ebenso ein Kapitel in diesen Buch in der Heinz Peter Röhr beschreibt, dass Beziehungen einen Suchtcharakter haben, so wie dies beispielsweise bei Co-Abhängigen zu beobachten ist. Im Folgenden werden die Merkmale und Hintergründe destruktiver Abhängigkeit untersucht. Mit etwas Abstand ist dann oft zu erkennen, dass der eine der beiden Partner die Rolle des verwöhnten Kindes spielt und der andere die Rolle des Erwachsenen, quasi eines Elternteils.

Er ist der Meinung, dass viele abhängige Beziehungen davon gekennzeichnet sind, dass die Partner eigentlich lieber nicht mehr in dieser Beziehung leben würden, jedoch nicht die Kraft finden, sich aus der Abhängigkeit zu lösen. Die Angst, allein nicht zurechtzukommen oder Alleinsein nicht ertragen zu können, lässt Partner in unbefriedigten Beziehungen bleiben. Angst und Aggression sind in diesen Beziehungen massiv und dominieren den Alltag.

Abhängige Beziehungen fordern dazu auf, die eigenen Defizite zu erkennen und selbst an deren Lösungen zu arbeiten. Der Partner ist nicht in der Lage, diese aufzulösen, sondern nur der Betroffene selbst. In der Therapie ist immer wieder die Fragen zu stellen, wie die Betroffenen Selbstliebe entwickeln können. Mit Hilfe von Trauerarbeit werden Verletzungen und Vernachlässigungen bearbeitet, auch die Arbeit mit den Inneren Kind ist eine Methode das Selbstgefühl zu verbessern.

6.         Abstinenz – ein Kind der Freiheit

Heinz Peter Röhr sagt in diesem Buch, dass bedingungslose Kapitulation die Basis für eine dauerhafte Abstinenz ist. Allerdings kann diese Haltung dem Suchtmittel gegenüber auch wieder verloren gehen. Bedingungslose Kapitulation ist lediglich die Basis dafür, dass ich dasselbe auch morgen tun würden. Die stärkste Energie im Menschen ist sein Glaube. Untersuchungen haben gezeigt, dass Suchtkranke nach einer Therapie dann die besten Aussichten haben, abstinent zu bleiben, wenn sie daran glauben konnten, dass sie es schaffen.

7.         Nicht stoffgebundene Süchte

In den Kapitel „nicht stoffgebundene Süchte“ geht es um die Arbeitssucht, Esssucht, Magersucht, Spielsucht, Internetsucht und die Kaufsucht, sowie um die Behandlung dieser nichtstoffgebundenen Süchte.

Bei der Arbeitssucht beschreibt Heinz Peter Röhr, dass die Arbeit als Problemlösungsmittel missbraucht, entwickelt sich früher oder später ein Abhängigkeitsproblem. Ohne Arbeit fühlen sich die Betroffenen unruhig, leer und sinnlos. Es entwickelt sich ein innerer Zwang zu arbeiten, der vergleichbar ist mit dem Kontrollverlust bei anderen Suchtkranken. Wie bei anderen Suchtkranken auch will der Betroffene sein Suchtverhalten nicht sehen, er verleugnet es. Dann wieder stellen sich Schuldgefühle ein. Der erste Schritt ist auch die Krankheitseinsicht.

Heinz Peter Röhr beschreibt in diesem Kapitel auch die Esssucht. Esssüchtige haben die Kontrolle über ihr Essverhalten verloren. Nicht mehr sie selbst entscheiden über die Nahrungsmenge, die sie zu sich nehmen, sondern sie entwickeln — ähnlich wie bei einer stoffgebundenen Sucht — eine unwiderstehliche Gier, Essen in großen Mengen in sich hineinzustopfen. Bei der Behandlung ist der erste Schritt auch hier die Krankheitseinsicht.

Magersucht, also das Hungern kann tatsächlich zum Suchtmittel werden. Magersüchtige bringen ihre Körper mit Hilfe von exzessiven Hungers dazu, Hormone mit aufputschender Wirkung zu produzieren. Die Haupt- und Nebensymptome der Magersucht haben große Ähnlichkeiten mit denen einer Amphetaminabhängigkeit. Exzessives Hungern verursacht bei manchen Menschen einen Hungerrausch. Sie haben die Kontrolle verloren und können mit dem Hungern nicht mehr aufhören. Jede Nahrungsaufnahme führt jetzt dazu, dass sie in einen Entzug mit äußerst unangenehmen Konsequenzen geraten. Extreme Müdigkeit, Verstimmungszustände, aggressive Gefühle wechseln mit depressiven Stimmungen, innere Unsicherheit, Panik.

Ähnliche Regeln wie sie für Esssüchtige erarbeitet wurden, gelten auch für Magersüchtige. Bulimiker werden vom Erbrechen abstinent, indem sie die Nahrungsmenge in kleinen Schritten steigern und eine regelmäßige Ernährung praktizieren.

Die Spielsucht wir in diesen Kapitel auch beschrieben. Der Spielsüchtige verliert beim Spiel den Kontakt zu Realität, steigert sich in einem Rausch und verliert die Kontrolle über sein Spielverhalten. Er kann erst aufhören, wenn er kein Geld mehr hat. Nach dem Spiel erlebt er Depressionen und Leere. Er hat Schuldgefühle und macht sich Selbstvorwürfe, die sein schwaches Ich weiter schädigen. Die Krankheit kann nur mit absoluter Abstinenz vom Spielen zum Stillstand gebracht werden. Die Bearbeitung der Ursachen der Spielsucht ist wiederum Aufgabe der Psychotherapie.

Heinz Peter Röhr ist der Meinung, dass bei der Internetsucht insbesondere männliche Personen unter 18 Jahre und Hausfrauen gefährdet sind. Viele Stunden werden täglich im Netz verbracht wo zunehmend das eigentliche Leben stattfindet. Ein Kontrollverlust besteht insofern, als die Betroffenen wesentlich länger vor dem PC verbringen als geplant. Während der Zeit, in der man nicht im Netz ist stellen sich Entzugserscheinungen in Form von Unruhe, Nervosität, Konzentrationsstörungen, Reizbarketi und Verstimmungen ein.

Sportsüchtige bringen ihren Körper ähnlich wie Magersüchtige über die körpereigene Hormonproduktion dazu, Endorphine zu produzieren, so verursachen sie mit Hilfe vom exzessiven Sport einen Rauschzustand. Betroffene suchen diesen Kick immer wieder, selbst dann noch wenn sie körperlich längst nicht mehr dazu in der Lage sind, etwa weil Gelenke geschädigt sind. Nicht selten ist mit der Sportsucht auch eine Essstörung verbunden, insofern versucht wird übermäßiges Essen mit übermäßigem Training zu kompensieren. Sportsucht führt zu körperlichen Schäden, zu sozialer Isolation oft zum Umsteigen auf andere auch stoffgebundenen Süchte. Auch die Behandlung der Sportsucht erfolgt nach dem schon bekannten Muster der Krankheitseinsicht, Abstinenz und Bearbeitung der Hintergründe.

Die Letzte Sucht die Heinz Peter Röhr in diesen Kapitel beschriebt ist die Kaufsucht. Bei der Kaufsucht versuchen die Betroffenen mit Kaufen, Frust, Leere, Langeweile und Minderwertigkeitsgefühle zu betäuben. Die Hintergründe der Kaufsucht sind oft denen der Esssucht ähnlich: Frustration, Ein Mangel an Zuwendung in der Kindheit, ein instabiles Selbstwertgefühl, das Gefühl vernachlässigt zu werden.

8. Rückfall

In diesem Kapitel geht es um den Rückfall im Allgemeinen, sowie um die Bearbeitung des Rückfalls, die Gründe für einen Rückfall, um die Rückfallprävention und um den Suchtdruck.

Jeder Rückfall kann unter dem Blickwinkel betrachtet werden, dass etwas gefehlt hat. Der Rückfall mach Defizite deutlich, die es zu verstehen gilt.

Heinz Peter Röhr beschreibt in diesem Kapitel auch die Gründe für einen Rückfall. Gründe für einen Rückfall können sein, Rückfälligkeit aus Mangel an Krankheitsakzeptanz, Rückfälligkeit nach Kränkung und Verletzung, Rückfall als Rache, Rückfälligkeit als Angst, Rückfall weil es mir gut geht, Rückfälligkeit weil ich mich selbst nicht mehr ertragen kann und Rückfälligkeit als Suizidversuch.

Röhr beschreibt die Rückfallprävention sehr gut. Die Rückfallprävention ist für einen Suchtkranken sehr wichtig. In ersten Schritt der Rückfallprävention werden typische Schwierigkeiten und gefährliche Situationen erforscht. Im zweiten Schritt werden diese Situationen im Rollenspiel inszeniert. Die Bedeutung und Nachhaltigkeit dieser Rollenspiele ist als sehr hoch einzuschätzen. Betroffene berichten immer wieder darüber, dass sie reale Situationen wesentlich besser bewältigten, nachdem sie diese im Rollenspiel geübt hatten.

Als letzten Teil in diesem Kapitel erwähnt Röhr den Suchtdruck, den die Suchtkranken oft erleben. Die meisten Suchtkranken erleben, nachdem sie abstinent geworden sind, Suchtdruck in der Fachsprache Craving genannt. Das Gefühl Alkohol trinken oder andere Suchtmittel konsumieren zu müssen, wird als sehr unangenehm erlebt. Betroffene haben zunächst das Gefühl, dass dies anhält. Fast immer handelt es sich jedoch um einen vorübergehenden Zustand. In Selbsthilfegruppen wird empfohlen, immer eine Liste mit Telefonnummern verschiedener Gruppenmitglieder bei sich zu tragen, die man in einem Fall von Suchtdruck unmittelbar anrufen kann. Diese Maßnahme ist als äußerst hilfreich anzusehen und hat sich tausendfach bewährt. Nicht der Griff zum Suchtmittel sondern der zum Telefon ist eine echte Alternative. Was gegen den Suchtdruck hilft, ist Kontakt. Schon die Hinwendung zu einem Freund aus der Selbsthilfegruppe bedeutet eine Abwendung vom Suchtmittel.

9.         Sucht und Sexualität

In diesem Kapitel des Buches geht es um die Sexuelle Frustration und um sexuellen Missbrauch in Zusammenhang mit dem Suchtmittel.

Heinz Peter Röhr ist der Meinung, dass sexuelle Probleme oft der Hintergrund für eine Suchterkrankung ist. Eine homosexuelle Veranlagung etwa, die nicht akzeptiert wurde, führt zu großen emotionalen Problemen. Suchtmittel werden hier oft eingesetzt, um eine Enthemmung zu erreichen oder Schuld- und Schamgefühle zu betäuben. Sexuelle Frustration werden nicht selten mit Suchtmittel bekämpft: Der Rausch wird zum Ersatz für sexuelle Befriedigung. Lust bzw. sexueller Frust lässt sich auch mit anderen Mitteln zum Verschwinden bringen, etwa mit exzessiven Arbeiten. Da es in der Partnerschaft kriselt, wird die Arbeit immer wichtiger. Weitere Mittel sind Sport und exzessives Essen. Suchtmittel dienen mitunter auch dazu, sexuelle Lust zu fördern, bis hin zu Exzessen. Bei sexuell missbrauchten und traumatisierten Personen ist oft zu beobachten, dass Sexualität ohne die Einnahme von Suchtmittel nicht möglich ist. Bei Suchtkranken mit einer sexuellen Traumatisierung ist eine spezielle Traumatherapie notwendig.

10.     Krisen während der Therapie

Krisen sind in diesem Buch ein wichtiges Kapitel, in dem es um den Stillstand, Abbruch, Rückfall und um das Verliebtsein in der Therapie geht.

Die Gründe, warum Suchtkranke eine stationäre Entwöhnungbehandlung abbrechen, sind unterschiedlich. Manchmal ist es schlicht Heimweh, oder die Angehörigen wollen, dass der Betroffene zurückkommt. Mitunter sind es Schamgefühle, die dominieren: Man will nicht suchtkrank und in einer Fachklinik sein.

Nicht selten kommt es zu engen Beziehungen und Verliebtheit während einer stationären Entwöhnungbehandlung. Meist behindert dies den therapeutischen Prozess bzw. lässt die Behandlung scheitern.

11.    Abschied vom Suchtmittel – eine Traumreise

In diesem Kapitel ging es um eine Traumreise die Heinz Peter Röhr bei suchtkranken Patienten durchführt. Es geht darum, das Unbewusste zur Mitarbeit zu gewinnen. Rituale haben für das Leben größere Bedeutung als allgemein genommen.

12.    Anhang

Im letzten Teil des Buches wurde die Alkoholabhängigkeit, die Medikamentenabhängigkeit und das Schnippeln auch Ritzen genannt ein wenig beschrieben.

Die kritische Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass die Alkoholabhängigkeit ausgebrochen ist. Die Betroffen versuchen sich dagegen zu wehren, in dem sie bemüht sind das Suchtmittel zu kontrollieren. Da die Sucht aber stärker ist, kann dies nicht gelingen, vielmehr ist ein Kontrollverlust festzustellen.

Der Autor ist der Meinung, dass der Missbrauch und die Abhängigkeit von Medikamenten ein weit unterschätzendes gesellschaftliches Problem ist. Frauen über 40 sind hier besonders gefährdet. Viele Patienten, die in eine Entwöhnungbehandlung kommen, sind mehrfachabhängig (polytoxikoman) von Alkohol, Medikamenten und Drogen.

Der letzte für mich wichtige Punkt in diesem Buch ist das Schnippeln. Schnippeln nennt man das selbstverletzende Verhalten wenn Suchtkranke sich mit Hilfe spitzen oder scharfen Gegenständen Schnitte oder Kratzer in die Haut zufügen. Betroffene sind meist jüngere Patienten, die oft neben Alkohol verschiedene Drogen wie Ecstasy, Cannabis, Amphetamine Kokain konsumierten. Vorwiegend sind weibliche Patienten betroffen, die zudem oft sexuell traumatisiert wurden.

Warum habe ich diese Literatur gewählt?

Ich habe dieses Buch gewählt, weil es einer der besten Bücher ist, die ich je über Sucht gelesen habe. Für mich war es wichtig ein Buch zu finden, dass mich über die Suchtkrankheit und den Prozess den der Suchtkranke durch machen muss aufklärt, aber auch die wichtigsten Persönlichkeitsstörungen in Verbindung mit Sucht hat mich schon immer sehr interessiert. Ebenso war es für mich wichtig die Co-Abhängigen zu verstehen und zu verstehen was ihnen vorgeht und wie es ihnen in der Situation geht. Durch dieses Buch, konnte ich einen Einblick gewinnen und erhielt die Information die ich brauchte und die mir noch fehlten.

Nutzbarkeit für mich und Weiterempfehlung

Das Buch war sehr interessant und ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen, es ist gut für Personen, die sich mit dem Thema Sucht noch nicht auseinandergesetzt haben, aber auch für Personen die schon einen Einblick in die Thematik haben.

Fazit: das Buch ist sehr hilfreich und ich kann es jeden nur weiterempfehlen.