Theorie und Praxis der Gruppenpsychotherapie

Autor: Irvin D. Yalom

Verfasser: David Burger

 

Der Autor:

Irvin D. Yalom wurde 1931 in Washington als Sohn russisch-jüdischer Immigranten geboren. Er zählt zu den einflussreichsten Psychoanalytikern der USA und hat sich besonders durch seine Arbeit als Gruppentherapeut einen Namen gemacht. Heute ist er emeritierter Professor für Psychiatrie an der Universität Stanford.

Da das Buch über 700 Seiten umfasst werde ich mich auf die für mich wesentlichsten Inhalte konzentrieren:

Die Therapeutischen Faktoren – Heilende Faktoren

Hier beschreibt Yalom zwölf Phänomene die den Fortschritt einer therapeutischen Gruppe positiv beeinflussen. Der Therapeut sollte auf jeden Fall alles tun ,um das Auftauchen und die Herausbildung dieser Faktoren zu erleichtern. Yalom meint sogar das die wichtigste Aufgabe des Therapeuten darin besteht ,diesen Faktoren den Weg zu ebnen.

1.                  Hoffnung einflößen:

Die Hoffnung an ein gelingen der Therapie ist zuerst entscheidend, dass der Patient in der Gruppe bleibt, bis erste Erfolge sichtbar werden. Sie wird durch Fortschritte anderer Patienten, und die Überzeugung des Therapeuten genährt. Yalom erinnert dabei an die eindrucksvollen Daten, die die Wirksamkeit von Placebo-Behandlungen dokumentieren die ausschließlich auf Hoffnung und Überzeugung beruhen.

2.                  Universalität:

Oft glauben Patienten mit ihrem Leiden allein, oder schlimmer ausgesetzt, zu sein. Besonders in den Anfangsstadien bringt der Abbau dieser Gefühle eine große Erleichterung ,zu erkennen eben nicht allein und einzigartig mit seinen Problemen zu sein.

3.                  Mitteilung von Informationen:

Das können sowohl Unterweisungen des Therapeuten über seelische Gesundheit oder Krankheit, als auch Ratschläge, Erfahrungsberichte oder direkte Anleitungen von seiten der anderen Patienten sein.Yalom nennt als Beispiel eine Gruppe von Patienten die unter Panikattacken leiden, denen er die Wirkung von Adrenalin im menschlichen Körper erklärt.

4.                  Altruismus:

Altuismus kann in beiderlei Richtungen heilsam sein : sowohl für den Empfänger, insbesondere aber auch für den Sender, der zuerst nicht glauben kann anderen etwas wertvolles bieten zu können, für Selbstlosigkeit von der Gruppe mit besonderer Aufmerksamkeit belohnt wird.

5.                  Korrigierende Rekapitulation der primären Familiengruppe:

Viele Patienten haben unbefriedigende Erfahrungen mit ihrer „primären Familiengruppe“ gemacht. Die Therapiegruppe übernimmt hier ganz automatisch Rollen (z.B.:Elterngestalten,gleichaltrige Geschwister) die heilsam und korrigierend wirken können. Somit können Defizite aus der Kindheit und Jugend aufgearbeitet werden.

6.                  Entwicklung von Techniken des mitmenschlichen Umgangs:

Die Gruppe ist ein geschützter Rahmen, und dadurch ein idealer Ort für ehrliche Rückmeldungen zum eigenen Verhalten und ermöglichen soziales Lernen.

7.                  Nachahmendes Verhalten:

Im Rahmen einer Therapiegruppe bietet sich die Möglichkeit, funktionierende Verhaltensmuster von Gruppenteilnehmern oder dem Therapeuten selbst „abzuschauen“.

Yalom ist der Meinung das Nachahmung eine äußerst wirksame therapeutische Kraft ist.

8.                  Katharsis:

Das ehrliche Ausdrücken von inneren Konflikten und Emotionen ist ein wesentlicher Faktor für das gelingen einer Gruppenpsychotherapie und den Fortschritt des Patienten, vorausgesetzt die Gruppe geht damit konstruktiv und wohlwollend um, was auch in der Verantwortung des Therapeuten liegt.

9.                  Existenzielle Faktoren:

Besonders in Gruppen von Menschen mit schwerer Krankheit oder Todkranken hat dieser Faktor besonderen Stellenwert. Zu lernen, dass Anleitung und Unterstützung von anderen begrenzt sind, wir allein die letzte Verantwortung für unsere Lebensführung übernehmen müssen und das trotzdem ein tiefer Trost darin liegt sich einzulassen auf die anderen Reisegefährten in dieser Welt.

Dieser Faktor, sich eben mit den Existentiellen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen, wird oft im nachhinein für bedeutende Fortschritte verantwortlich gemacht.

10.              Gruppenkohäsion:

Der Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl und die dadurch ermöglichte Vertrautheit und mögliche Offenheit machen andere Therapeutische Faktoren erst möglich und verstärken diese ungemein.

11.              Interpersonales Lernen:

Die Entwicklung der Persönlichkeit und ihre Störungen entwickeln sich durch zwischenmenschliches Lernen und sie sollten auch wieder ins Interpersonale übertragen werden um bearbeitet werden zu können.

12.              Gruppe als sozialer Mikrokosmos:

Nach einer Eingewöhnungsphase handeln die meisten Gruppenmitglieder so, wie sie auch außerhalb der Gruppe handeln, sie werden sich sozusagen vor den anderen Gruppenmitgliedern offenbaren. Der Therapeut sollte helfen unangepasstes, dem Individuum und der Gruppe schadendes Verhalten zu erkennen und damit zu arbeiten.

Arbeiten im Hier und Jetzt

Das arbeiten im Hier und Jetzt soll sicherstellen das die Beteiligten sich voll auf die Gruppentherapie konzentrieren, um die ressourcen der Gruppe maximal zu nutzen.

Yalom teilt dass arbeiten im Hier und Jetzt in zwei symbiotisch miteinander verbundene Ebenen, von denen keine ohne die andere therapeutische Wirksamkeit besitzt.

Die erste ist die Erlebnisebene :

Die unmittelbaren Ereignisse in der Sitzung haben Vorrang gegenüber den momentanen Lebensumständen und der Vergangenheit der Gruppenmitglieder.

Diese Konzentration erleichtert die individuellen Fortschritte und macht die Sitzungen lebendiger, da alle sich einbringen, nicht nur die Person die gerade in der Sitzung arbeitet.

Die zweite Ebene ist die Klärung des Prozesses :

Gemeint ist eine Art Selbstreflexion der Gruppe, also das aufmerksame beobachten und mitteilen aller Teilnehmer der momentanen Vorgänge.

Da nur beide Ebenen gemeinsam einen positiven Ausgang ermöglichen, hat der Therapeut zwei Hauptaufgaben, die das Hier und Jetzt betreffen: den Fokus der Gruppe aktiv auf das Hier und Jetzt zu lenken und die Selbstreflexion, oder den konstruktiven Kommentar eines Gruppenmitglieds zu erleichtern.

Aktivierung des Hier und Jetzt   

In einer besonders unproduktiven Sitzung könnte der Therapeut beispielsweise Fragen, was von der Heutigen Sitzung in besonders schlechter Erinnerung bleiben wird. Die darauffolgende Diskussion wird eine breite Palette an Emotionen, Erwartungen an die Gruppentherapie und Probleme zwischen Gruppenmitgliedern ans Tageslicht befördern.

Als zweiten Schritt kann der Therapeut nun die Aufmerksamkeit der Gruppe auf den Prozess der eben stattgefunden hat lenken.

Die Teilnehmer können dadurch viel über ihren Einfluss auf die Gruppe erfahren, aber auch welche Meinungen sich andere über ihn bilden und aus welchen Gründen .

Ein besonders mürrischer Patient kann so beispielsweise erkennen, dass sein kritisches Verhalten und seine scharfen Kommentare bei anderen das Bedürfnis nach Distanz hervorrufen und er deshalb so schwer Freundschaften schließen kann. Oft reicht dann schon das Bewusstsein was die eigenen Verhaltensweisen bei anderen auslösen um eine dauerhafte Veränderung des Verhaltens hervorzurufen.