Vom Sinn der Angst

Wie Ängste sich festsetzen und wie sie sich verwandeln lassen

Autorin:          Verena Kast

Verfasserin der Kurzbeschreibung: Barbara Göschl

 

Ich habe mich für das Buch „Vom Sinn der Angst – Wie Ängste sich festsetzen und wie sie sich verwandeln lassen“ von Verena Kast entschieden, zum Einen, weil ich mich mit Ängsten etwas genauer auseinandersetzen wollte, und zum Anderen, weil ich bei diesem Buch ein gutes Gefühl hatte, sowie ich es in der Hand hielt und die ersten Seiten, im Buchladen, begann durchzulesen. Nachdem ich selbst noch nicht all zu viel über Ängste im speziellen (Wie entstehen sie?, Was bedeuten sie?,…) wusste, war ich auf der Suche nach einem Buch, welches sowohl für den Laien gut verständlich, sowie ebenso mit etwas fachlichem Wissen versehen ist. Die Autorin kannte ich bereits von einem zuvor gelesenen Buch, über den genauen Titel bin ich mir nicht mehr sicher, aber es ging in jenem um das Rotkäppchen-Märchen und wie es in der Therapie zum Einsatz kommen und hilfreich sein kann. Nachdem ich dieses Buch sehr verständlich empfunden habe, entschloss ich mich ein weiteres Buch von ihr zu lesen.

Mit viel Feingefühl schafft es Verena Kast in ihrem Buch „Vom Sinn der Angst – Wie Ängste sich festsetzen und wie sie sich verwandeln lassen“ mir das Thema Angst näher zu bringen. Es geht in gewisser Weise darum, dass Angst zu unserem Leben einfach dazugehört und viele Situationen von ihr gesteuert werden. Manchmal ist es die bessere Lösung zu fliehen und ein anderes Mal ist es besser mutig zu sein, aber prinzipiell gilt in erster Instanz, dass es mutig ist zu seiner Angst zu stehen. Nur wenn man seine Angst erkennen kann ist es auch möglich die Frage zu stellen: „Was will die Angst von mir?“

In dem Buch von Verena Kast „Vom Sinn der Angst – Wie Ängste sich festsetzen und wie sie sich verwandeln lassen“ geht es darum, dass man in erster Linie einmal eine Vorstellung zum Thema Angst bekommt. Gleich zu Beginn beschreibt sie was alles zur Angst dazugehört. Zum Beispiel hat man nicht einfach nur angst sondern mit der Angst kommt auch eine gewisse Angstfantasie, wie sie es nennt, hinzu. Sie beschreibt das folgendermaßen, dass noch bevor man in einer gewissen Situation ist man eine gewisse Vorstellung oder Fantasie von etwas neuem hat welche ängstigt.

Des Weiteren äußert sich diese Angst auf irgendeine Art und Weise, also kommt es zu einem Angstausdruck. Das kann zum Beispiel sein, dass man zu stottern beginnt, zum Schwitzen, kurzatmig wird usw.

Und nachdem angst haben sehr unangenehm ist und man irgendwie damit umgehen muss, gibt es verschiedene Angstbewältigungen, welche wir automatisch anwenden. Diese Strategien unterscheiden sich bei jedem/jeder Einzelnen. Zum Beispiel kann man zur Angstbewältigung das Thema welches uns ängstig rationalisieren oder wir können uns davon distanzieren. Außerdem kann man die Angst auch entwerten, abspalten oder projizieren und man kann natürlich auch zu Medikamenten greifen. Prinzipiell, so Kast, sind diese Strategien sowohl positiv wie negativ. Positiv im Sinne, dass man die Angst im ersten Moment bewältigen kann, negativ im Sinne, dass man keinen richtigen Umgang mit der Angst lernt.

Das Problem welches sich hier stellt ist, dass wenn man immer zu jenen Angstbewältigungsstrategien zurückgreift es zu keiner richtigen Auseinandersetzung mit der Angst kommt und Verena Kast weist darauf hin, dass die Angst uns etwas sagen möchte und es liegt an uns herauszufinden was es ist.

Wenn man es nun aber nie schafft seiner Angst ins Auge zu Blicken, hier kommt dann auch der Mut zur Angst ins Spiel, und zu hinterfragen was sie will, wird es soweit kommen, dass die Angst uns in unseren Handlungen lähmt. Wir können uns dann nicht mehr frei entscheiden sondern entscheiden so, wie die Angst es uns diktiert.

Des Weiteren weist sie darauf hin, dass die Angst auch immer oder zumindest meistens von einem Emotions- und Sprachfeld umgeben ist. Dieses Emotionsfeld der Angst beinhaltet ganz unterschiedlichste Emotionen wie etwa Kummer, Zorn, Aggression, Beklemmung, Panik usw.

Um dieses Emotionsfeld nun besser begründen zu können geht Verena Kast auf die Urinstinkte zur Angst ein. Laut ihr war und ist es immer schon so, dass der Mensch in gefährlichen Situationen entweder angreift oder die Flucht ergreift. Für den Angriff spielt dann beispielsweise eine sehr konträre Emotion zur Angst, die Aggression, eine wichtige Rolle.

Im Verlauf des Buches deutet sie auch auf existenzphilosophische Zugänge zur Antriebskraft der Angst hin. Zum Beispiel verweist sie auf Heidegger, welcher die Angst als besonders wesentlich für das Verständnis des Menschen erachtet. Grundlage hierfür ist nach seinen Feststellungen, dass der Mensch immer schon irgendwie gestimmt ist und dies fällt uns vor allem dann auf wenn wir nicht in einer für uns „normalen“ Stimmung sondern „ver-stimmt“  oder anders erklärt nicht im Gleichgewicht sind. Außerdem, so Heidegger, kann es durch innere oder äußere Störungen zu Veränderungen unserer Stimmung also zur Verstimmung kommen und dies kommt durch Ängste zum Vorschein.

Nach dieser umfassenden Einführung zum Thema Angst geht Verena Kast mehr ins Detail und zeigt wichtige Aspekte der Angst auf. Sie macht dies indem sie einen Angstauslöser gleichzeitig einem Bedürfnis gegenüber stellt und so bekommt man dann auch gleich einen besseren Eindruck davon was sie mit der Frage meint, „Was will die Angst mir sagen?“.

Ein gutes Beispiel zur Veranschaulichung wäre etwa die durch Angst entstandene Anspannung bei der die/der Betroffene das Bedürfnis nach Entspannung hat.

Ein grundängstlicher Mensch steht ständig unter Spannung und Ziel wäre es nun durch die Angstbewältigung eine Entspannung zu erreichen. Hierfür gibt es unterschiedlichste Möglichkeiten, die zum Einsatz kommen können wie etwa körperliche Betätigung, Atemtherapie, autogenes Training, aber auch Drogen und Alkohol.

Ein weiteres gutes Beispiel für einen Angstauslöser bzw. eine Begleiterscheinung kann Ungewissheit sein. In diesem Fall liegt der Wunsch vor, Gewissheit zu finden.

Weil wir in neuen Situationen oft nicht wissen wie wir agieren sollen, können sie uns verwirren und dadurch ängstigen, und genau in dieser Angst steckt die Botschaft nach gewünschter Sicherheit oder eben Gewissheit. Die Angst will uns also etwas sagen.

Laut ihr ist es erforderlich in neuen Situationen die Ungewissheit oder Angst, welche anfänglich vorhanden ist, zu ertragen, dann kann sich auch wieder eine neue Gewissheit einstellen.

Was noch erwähnt sei ist, dass sie in diesem Kapitel auch die Prägesituation in der Kindheit für die Angstentwicklung beschreibt. So erläutert sie etwa auch wie wichtig hierfür die Separations- Individuationsphase ist bzw. beschreibt sie wie das Kind mit dem Verlangen nach Autonomie auf der einen Seite und dem dazu konträren Bedürfnis nach einer Beziehung/Bindung auf der anderen umgehen lernt und wie dieser Entwicklungsprozess einen prägenden Einfluss auf dessen Einstellung zur Angst im Allgemeinen hat.

Bei einer zu großen Angst vor Ungewissheit wäre zum Bespiel wohl zu hinterfragen ob hinter der ersten Angst der Ungewissheit eine weitere Angst, möglicherweise resultierend aus prägenden Erlebnissen in der Kindheit, verborgen liegt.

Mit dieser Erläuterung leitet sie über zu den Angststörungen, welche für einen groben Überblick geschildert werden. Zum Beispiel werden Zwangsstörungen genauer von ihr beschrieben. Was diese Ängste auslösen und dass der Mensch in diesem Fall nicht mehr frei entscheiden kann bei etwa einem Waschzwang wie oft oder gründlich er oder sie sich die Hände waschen möchte. Bedeutend ist in diesem Fall, dass die Person eine gewisse Handlung tun muss und nicht frei entscheiden kann ob er/sie diese tun will oder auch nicht, hier entscheidet die Angst über die Situation.

Des Weiteren geht sie auf die Panikstörung, Herzphobie oder auch traumatische Ängste ein.

Als eigenes Kapitel bearbeitet Verena Kast auch Beziehungsängste. Hierzu gehören zum Beispiel die Verlustangst, Trennungsangst, Angst vor Selbstverlust, die Angst vor der Intensität der Liebesgefühle usw.

Beispielsweise beschreibt sie die Verlustängste in einer Beziehung so: Weil auf der einen Seite in einer Beziehung vieles leichter zu ertragen oder auch zu bewältigen ist, entstehen auf der anderen Seite, weil man Angst davor hat die wärmenden und unterstützenden Aspekte dieser Beziehung die vieles leichter machen wieder zu verlieren, Verlustängste. Dies hängt nun damit zusammen, dass einem die Beziehung wichtig ist, sie ist also mit einem Wert besetzt und dadurch kann man auch Angst davor haben, dass man etwas was einem so wichtig bzw. wertvoll ist wieder verlieren könnte.

Zum Ende des Buches beschreibt sie auch noch Symbole der Angst und verweist in diesem Zusammenhang auf die Traumdeutung. Nachdem jeder/jede eine eigene Art von Traumsprache hat und somit auch individuelle Symbole, geht sie in diesem Teil auf kollektive Angstsymbole ein. Symbole welche den Menschen seit frühester Zeit geängstigt haben. Hierfür gibt sie oberflächlich einen Einblick wie Angstträume aufgebaut sein können bzw. welche Symbole in Träumen auf eine Angst hinweisen wollen.

Beendet wird das Buch „Vom Sinn der Angst – Wie Ängste sich festsetzen und wie sie sich verwandeln lassen“ damit, dass Verena Kast darauf hinweist, dass wir angemessener mit unseren Ängsten umgehen lernen sollen. Hier meint sie vor allen Dingen, dass man Ängsten auf den Grund gehen soll, da sie auch wichtig sind für die persönliche Entwicklung und nicht so wie es in der heutigen Zeit eher praktiziert wird, dass man das Problem/Beängstigende so schnell wie möglich verschwinden lassen möchte, egal wie. Charakteristisch hierfür ist, dass wir uns sehr ablenken lassen durch Konsumismus, Aktivismus und äußerliche Zerstreuung. So betitelt sie auch treffend ihr letztes Kapitel mit Tapferkeit vor der Angst.

Persönliche Bewertung des Buches +/-

Gleich zu Beginn des Buches hat Verena Kast es für mein Empfinden geschafft zu verdeutlichen wie sensibel das Thema mit der Angst ist. Mit viel Feingefühl erklärt sie einem Kapitel für Kapitel die unterschiedlichsten Angsttypen.

Sie verwendet eine klare nicht komplizierte Sprache und ist durchaus auch für jeden Laien gut verständlich.

Mir hat besonders gut gefallen wie sie das Buch Schritt für Schritt aufgebaut hat. Zum Beispiel beginnt sie mit Angst und Angstbewältigung und erklärt bereits zu Beginn die  Entstehung der Angst und die damit verbundenen natürlichen Angst-bewältigungsmechanismen und erst nach dieser Einführung kommen die philosophischen Aspekte zum Thema Angst.

Wenn man also Neuling auf diesem Themengebiet ist, finde ich diese Herangehensweise optimal, da man bereits eine Basis vom Begriff Angst hat und den philosophischen Zugängen so besser folgen kann.

Was mich im ersten Teil Angst und Angstbewältigung allerdings etwas irritiert hat war die Angstbewältigung. Hier weist sie auf der einen Seite darauf hin, dass wir positive natürliche Abwehrmechanismen haben wie wir quasi automatisch mit Angst umgehen, diese aber zugleich auch negative Aspekte haben und das diese Großteils unbewusst also von uns nicht bewusst wahrgenommen ablaufen. Prinzipiell finde ich es nicht störend an dieser Stelle auf die positiven wie negativen Eigenschaften jener Abwehrmechanismen hinzuweisen, aber bei dieser Erläuterung habe ich mir dann nur gedacht, dass heißt es gibt also auch noch andere Möglichkeiten zum Umgang mit der Angst, welche wir nicht unbedingt automatisch umsetzen also die wir Bewusst steuern könnten und ich habe hier bereits auf den einen oder anderen Hinweis gehofft, der bei einer optimalen Angstbewältigung helfen soll. Dieser kommt aber nicht. Im ersten Moment hat mir dann so ein bisschen die Orientierung gefehlt bezüglich welcher Möglichkeiten man denn sonst noch so hat wie man besser mit der Angst umgehen soll. Im weiteren Verlauf des Buches klärt sich das dann aber noch.

Der nächste Teil beschäftigt sich nun mit der Antriebskraft der Angst – existenzphilosophische Zugänge. Hier gibt es zu sagen. Es ist zu kurz um informativ zu sein oder ein umfassenderes Bild zu diesem Thema zu schaffen. Sie verweist im Grunde lediglich darauf, dass sich bereits andere große Namen mit der Angst auseinandergesetzt haben.

Nach diesen beiden einführenden Kapiteln, in welcher die Angst grob oberflächlich betrachtet wird, kommt es nun zur klareren Strukturierung der Angst. Diesen Teil nennt Verena Kast Aspekte der Angst. Hier gefällt mir sehr gut, dass sie bereits in den jeweiligen kleinen Überschriften den Angstauslöser anführt und zugleich das Bedürfnis, welches damit in Verbindung steht. Dadurch, so finde ich, bekommt man für die Angst mehr Verständnis und Vorstellung und man kann sich auf das Thema besser einlassen. Mir hat es dabei geholfen, dass ich von Anfang an offener dem Thema gegenüber stehen konnte und genau diese Formulierungen sind es auch warum ich finde, dass Verena Kast viel Feingefühl zeigt. Wenn ich nun noch bedenke, dass ihr Buch zugleich auch mein erstes Buch zum Thema Angst ist, so hat sie es bei mir geschafft mich etwas hellhöriger für meine eigenen Ängste zu machen, soweit das eben geht, bzw. das Interesse geweckt zu hinterfragen „Was will die Angst mir sagen?“. Diese Einstellung zur Angst halte ich für eine Gute und sie hilft sicherlich auch dabei im alltäglichen Leben mit Angstauslösern, welche jeder/jedem von uns das eine oder andere Mal begegnen, bis zu einem gewissen Grad besser umzugehen.

In einem weiteren Teil geht Verena Kast dann auf Angststörungen ein und man merkt sehr schnell, dass dieses Thema nochmal komplexer ist, zumindest für mein empfinden. Ich würde sagen, dass sie die Angststörungen gut und kurz beschreibt, sodass man eine Vorstellung bekommt mehr aber auch nicht. Dasselbe würde ich auch zu dem Kapitel Beziehungsängste sagen. Wenn man zu diesen beiden Gebieten also mehr Informationen haben möchte sollte man weitere Bücher zum Thema Angst lesen bzw. speziell zu Angststörungen oder Beziehungsängste.

Die letzten Kapitel beschäftigen sich noch mit Symbole der Angst und Tapferkeit vor der Angst. Für meinen Geschmack sind die Symbole der Angst auch eher kurz gehalten. Auch hier gilt, dass einem einfach „nur“ ein Überblick geliefert wird, damit man sich Vorstellen kann was man unter Symbole der Angst zu verstehen hat. Sie schneidet auch Traumdeutung und Märchen an, was ich sehr interessant gefunden habe und ich hätte darüber gut und gerne auch noch mehr lesen können mit passenden Beispielen dazu.

Abschließend fasse ich für mich zusammen, dass ich wenig an diesem Buch auszusetzen habe. Für mich war es interessant und einfach zu lesen.

Damit man ein Gefühl für die Thematik Angst bzw. Ängste bekommt würde ich es als Einsteigerbuch auf jeden Fall weiterempfehlen. Ich vermute, dass es anderen wohl ebenso wie mir gehen wird, dass die eine oder andere Stelle ruhig etwas ausführlicher ausfallen könnte, aber nachdem Verena Kast immer wieder an den unterschiedlichsten Stellen von anderen Autoren zitiert, bekommt man dadurch auch anreize für weitere Literatur, falls man das Themengebiet noch mehr vertiefen möchte.